«gesundheitheute»: Beitrag über Darmkrebsvorsorge

Die Sendung «gesundheitheute» brachte am 19.3.2016 einen sehenswerten Beitrag zum Thema Darmkrebsvorsorge. Als Gäste dabei waren Prof. Urs Marbet und die Schauspielerin Heidi Maria Glössner («Die Schweizermacher», «Die Herbstzeitlosen»), die gerade ihren 75. Geburtstag feiert. Glössner erzählte in der Sendung, wie es dazu kam, dass sie eine Darmspiegelung machen liess. Ein glücklicher Zufall.


Am falschen Ort gespart

Anna Wanner schrieb am 16.7.2016 in der Aargauer Zeitung einen Kommentar mit dem Titel „Der Preis des Schlaraffenlandes“.

Unter der Überschrift „Mehr Selbstverantwortung der Patienten gefordert“ steht unter anderem zu lesen, jeder solle sich Gedanken machen, ob «die Darmspiegelung tatsächlich nötig» sei.

Die Darmspiegelung zur Vorsorge und Prävention gegen Darmkrebs ist in der Tat notwendig. Studien haben deren Wirksamkeit und Sicherheit klar gezeigt. Die Krebsliga empfiehlt die Darmspiegelung zur Vorsorge ab dem Alter von 50 Jahren. Aus gutem Grund ist die Darmspiegelung als Vorsorgeuntersuchung ab Alter 50 seit 2013 schweizweit für die Krankenkassen Pflichtleistung.

Was die von Wanner angesprochene Selbstverantwortung anbelangt, sollte man sich viel eher fragen, ob man es sich leisten kann, auf die Darmspiegelung zu verzichten. Dies gilt ganz besonders für uns Männer. Darmkrebs ist leider eine sehr häufige Erkrankung. Einer von 16 erkrankt im Leben daran (Frauen: eine von 21). Abgesehen vom Leid, welches durch vermeidbare Darmkrebserkrankungen verursacht wird, sollte man auch bedenken, dass die Behandlung von Darmkrebs ohne weiteres Kosten im Bereich von 100’000 Franken pro Fall verursachen kann. Das ist dann weit teurer, als alle 10 Jahre eine vorsorgliche Koloskopie für vielleicht 1’500 Franken. Eine Investition von 150 Franken pro Jahr, welche das Risiko, an Darmkrebs zu sterben, um satte 90% senkt (Quelle: Studie von Prof. Marbet), ist wirklich nicht übertrieben.

Es bleibt bloss zu hoffen, dass der Vater von Frau Wanner von der Möglichkeit der Darmspiegelung Gebrauch gemacht und nicht am falschen Ort gespart hat. Nicht Rauchen hilft. Risikofaktor Nummer eins beim Darmkrebs bleibt aber das Alter. Älter werden wir alle.

Darmspiegelung: erfolgreiche Krebsprävention bei minimaler Komplikationsrate

Die Darmspiegelung zur Prävention von Darmkrebs ist – entgegen weit verbreiteter Befürchtungen – eine sehr sichere Untersuchung.

Im Deutschen Bundesland Saarland wurde dazu eine Studie gemacht. Dabei wurden 5’252 Vorsorge-Koloskopien nachträglich ausgewertet. Diese waren im Zeitraum von 2010 bis 2013 durchgeführt worden.

Bei den 5’252 Untersuchungsteilnehmern waren insgesamt nur 20 (0.38 Prozent) medizinisch bestätigte Komplikationen aufgetreten. Dabei handelte es sich meist um Blutungen, nur in zwei Fällen um eine Perforation. Alle Zwischenfälle konnten erfolgreich behandelt werden.

Die Studie bestätigt ausserdem, was sich in früheren Untersuchungen bereits angedeutet hatte: Die seltenen Zwischenfälle traten bei Darmspiegelungen auf, bei denen fortgeschrittene Krebsvorstufen oder gar bösartige Tumoren entfernt wurden. Die Komplikationen sind also nicht Folge der Untersuchung, sondern der Gewebeentnahme.

Komplikationen entstehen höchstens dann, wenn Polypen entfernt werden müssen. Dabei sind Blutungen (18 von 5’252 Fällen in der Saarland-Studie) am häufigsten. Diese kann man mit einer weiteren Koloskopie beheben. Das ist zwar lästig, aber nicht tödlich. Das Risiko für Perforationen ist bei den schwerwiegendsten Befunden am grössten. Genau dann profitiert man aber am meisten von der Entfernung.

Die beiden Perforationen in der Saarland-Studie passierten bei der Entfernung einer fortgeschrittenen Vorstufe und bei der Entfernung von Krebs. Beide Patienten haben überlebt. Ohne die Darmspiegelung hätten aber genau diese Patienten den Darmkrebs mit grosser Wahrscheinlichkeit wohl nicht überlebt.

Werden keine oder nur kleine Polypen gefunden, ist das Risiko für Komplikationen extrem klein. Wer auf die Untersuchung verzichtet, setzt sich im Gegensatz dazu aber dem unverminderten Risiko aus, an Darmkrebs zu erkranken. Dieses Risiko ist im Vergleich dazu massiv grösser: 6.3% aller Männer und 4.7% aller Frauen erkranken in ihrem Leben an Darmkrebs. Im Durchschnitt sind die Patienten im Zeitpunkt der Darmkrebs-Diagnose 68 Jahre alt. Das Risiko steigt ab 50 stark an.

Bei der Studie von Prof. Marbet – welche in den Kantonen Uri und Glarus durchgeführt wurde – fand man bei 35% der Männer und 23% der Frauen Polypen (eingeladen waren Personen zwischen 50 und 80 Jahren). Das Risiko der Untersuchung ist für Personen ohne Polypen am kleinsten. Wer Polypen hat, profitiert umgekehrt sehr stark davon, wenn diese dank der Darmspiegelung vorsorglich entfernt werden können. Darmkrebs entsteht meist aus Polypen. Ohne Polypen kein Darmkrebs!

Eine gefährliche Empfehlung

Bei der „Schweizerischen Stiftung SPO Patientenschutz“ fand man auf der Homepage im Internet einen undatierten Beitrag mit dem Titel „Vorsicht bei prophylaktischen Untersuchungen!“. In dem Beitrag wurde von einer über 60-jährigen Frau berichtet, die sich verängstigt an die Beratungsstelle der SPO gewendet hatte. Der Grund dafür war, dass ihr der Hausarzt eine Darmspiegelung empfohlen hatte. Sie sagte, sie habe «unglaubliche Angst vor dieser Untersuchung».

Die Autorin berichtete dann, sie habe der Dame gesagt, dass diese Untersuchung «nicht unbedingt nötig» sei, wenn sie keine Symptome und keine familiäre Belastung habe. Es sei «wichtig, auch auf ihr Gefühl, die Angst zu hören». Diese Untersuchung werde nur prophylaktisch durchgeführt, «um einen Darmkrebs rechtzeitig zu entdecken». Sie habe dann von der Untersuchung abgeraten.

Dieser Ratschlag war falsch und sehr gefährlich. Glücklicherweise hatte die SPO ein Einsehen und löschte nun den von mir beanstandeten Beitrag.

Darmkrebs tritt in 70-75% der Fälle spontan auf, d.h. zum ersten Mal in der Familie.

Bei der vorsorglichen Darmspiegelung, welche von der Krebsliga ab 50 zur Vorsorge gegen Darmkrebs empfohlen wird, geht es nicht bloss darum, Darmkrebs rechtzeitig zu entdecken, sondern es können damit auch Vorstufen von Darmkrebs, sogenannte Polypen, entdeckt und in der selben Untersuchung sicher und schmerzfrei entfernt werden. Studien haben gezeigt, dass damit das Risiko, an Darmkrebs zu sterben, um bis zu 90% gesenkt wird. Darmkrebs entwickelt sich innert 5 bis 10 Jahren meist aus Polypen.

Die Untersuchung ist sehr sicher, wie eine im Deutschen Bundesland Saarland durchgeführte Studie deutlich gezeigt hat. Die Komplikationsraten liegen im Promillebereich.

Das Risiko, im Leben an Darmkrebs zu erkranken, beträgt für Frauen 4.7% und für Männer 6.3%. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Erkrankung auftritt, steigt ab 50 stark an. Im Durchschnitt sind die Betroffenen bei der Diagnose 68 Jahre alt.

Für die verängstigte Anruferin wäre also eine vorsorgliche Darmspiegelung tatsächlich längst überfällig gewesen. Bei der SPO hätte man ihr besser die Angst vor der Untersuchung genommen, anstatt ihr davon abzuraten. Dem betreffenden Hausarzt kann man zu seinem Vorschlag nur gratulieren.

Dazu ein kurzes Video der deutschen Felix Burda Stiftung.


In der Schweiz übernehmen die Krankenkassen die Darmspiegelung bereits ab 50 (abzüglich Franchise und Selbstbehalt).

1’700 Menschen sterben in der Schweiz jedes Jahr an Darmkrebs. Darmkrebs ist vermeidbar.

Nachtrag vom 4.9.2018, 17:48: Mein Blog-Beitrag hat Wirkung gezeigt. Die SPO hat den von mir beanstandeten Beitrag gelöscht.

Ehegattenrenten nach der Scheidung

Nehmen wir an, ein Ehepaar (Mann und Frau) wird nach der Pensionierung geschieden.

Die AHV-Renten sind zu diesem Zeitpunkt bereits geteilt, da das Splitting der AHV-Renten schon durchgeführt wurde.

Der Mann kann nach der Scheidung mit erneuter Heirat eine Anwartschaft auf eine Ehegattenrente – das heisst, eine Witwenrente – vergeben. Eine Anwartschaft ist ein Anrecht auf den Bezug einer Rente. Hier für den Fall, dass der Ehepartner stirbt. Damit erreicht er eine finanzielle Absicherung für die neue Gattin.

Die Höhe dieser Witwenrente berechnet sich auf der Basis der Altersrente der AHV des Mannes. Wenn er die Maximalrente hat (derzeit 2’350 Franken), beträgt diese Witwenrente maximal 1’880 Franken monatlich. Solche Witwenrenten berechtigen zudem zum Bezug von Ergänzungsleistungen. Ein weiterer Vorteil.

Bei der geschiedenen Frau sieht es anders aus: Sie kann zwar nach der Scheidung ebenfalls wieder heiraten. Mit der erneuten Heirat kann sie aber (in der Regel) keine Anwartschaft auf eine Witwerrente der AHV vergeben. Ihr neuer Ehegatte hat somit auch keinen Anspruch auf Ergänzungsleistungen.

Man kann sich fragen, ob das gerecht ist. Frauen werden in dieser Hinsicht offensichtlich nicht gleich wie Männer behandelt.

Was die Renten der Pensionskasse anbelangt, werden diese nun dank dem neuen Recht zum Vorsorgeausgleich, welches seit dem 1. Januar 2017 in Kraft ist, bei der Scheidung ebenfalls geteilt.

Der Richter hat damit bei der Teilung von Altersrenten ein Ermessen (Artikel 124a ZGB). Alternativ dazu können sich die Ehegatten auch in einer Scheidungs­vereinbarung über die Teilung einigen. Das Gericht kontrolliert dann nur noch, ob die vereinbarte Teilung so zulässig ist.

Bei der Teilung von Altersrenten der zweiten Säule wird dem ausgleichsberechtigten Ehegatten ein Anteil von der Rente des ausgleichsverpflichteten Ehegatten zugesprochen. Der zugesprochene Rentenanteil wird anschliessend in eine lebenslange Rente für den ausgleichsberechtigten Ehegatten umgerechnet (Artikel 19h FZV). Dabei wird eine versicherungstechnische Umrechnung durchgeführt. Der Altersunterschied hat einen starken Einfluss auf das Ergebnis. Das ist aber nicht der einzige Faktor. Doch dazu später mehr.

Die Altersrente des ausgleichsverpflichteten Ehegatten wird um den Rentenanteil, der dem anderen Ehegatten zugesprochen wurde, definitiv reduziert.

Der Mann kann dann durch erneute Heirat auch noch eine Anwartschaft auf eine Witwenrente der Pensionskasse vergeben. Diese berechnet sich jedoch auf der Basis seiner wegen der Scheidung reduzierten Rente (Artikel 21 Absatz 3 BVG). Bei den Pensionskassen beträgt die Witwenrente üblicherweise 60% der Altersrente des verstorbenen Partners.

Pensionskassen können allerdings – wegen dem Anrechnungsprinzip – in ihren Reglementen zum Beispiel (leider) festlegen, dass die Witwenrente, falls die Heirat erst nach der Pensionierung erfolgte, bloss das Minimum gemäss BVG betrage. Diese Minimal-Witwenrenten können dann überraschend klein sein, da sie bloss basierend auf dem obligatorischen „Kapital“ des Rentners berechnet werden. Der obligatorische Teil des Pensionskassenkapitals eines Versicherten kann erstaunlich klein sein. Entsprechend klein fallen dann auch die darauf basierenden Renten aus.

Verschärfend wirkt sich in solchen Fällen der Umstand aus, dass seit der Revision des Vorsorgeausgleichs (per 1. Januar 2017) neu auch der obligatorische Anteil des Pensionskassenkapitals geteilt wird. Die Teilung wird bei der Scheidung so durchgeführt, dass das Verhältnis des obligatorischen Kapitals zum ganzen Kapital beim ausgleichsverpflichteten Ehegatten gleich bleibt. Dies gilt sinngemäss auch bei der Teilung von Altersrenten (Artikel 22c Absatz 1 FZG). Ich habe das schon in meinem Blog-Artikel vom 15. Januar 2014 kritisiert.

Die lebenslange Rente wird dem ausgleichsberechtigten Ehegatten von der Pensionskasse des ausgleichsverpflichteten Ehegatten ausbezahlt – sofern der berechtigte Ehegatte Anspruch auf eine volle Invalidenrente hat oder das Mindestalter für den vorzeitigen Altersrücktritt (derzeit: 58 Jahre) erreicht hat (Artikel 22e FZG). Diese neue Rente hat den grossen Vorteil, dass sie unabhängig vom Tod des Ex-Ehegatten ist. Solche Renten werden bei den Pensionskassen einer besonderen Kategorie zugeordnet (sogenannte „Geschiedenen-Renten“). Empfängerinnen (oder selten: Empfänger) von solchen Renten können mit einer erneuten Heirat damit nämlich keine Anwartschaft auf eine Ehegattenrente vergeben.

Der ausgleichsberechtigte Ehegatte verliert bei der Scheidung seine Anwartschaft auf eine Ehegattenrente. Diese entgangene Anwartschaft wird in der Formel zur Umrechnung zusätzlich berücksichtigt. Die Pensionskasse muss nämlich beim ausgleichsverpflichteten Ehegatten inskünftig nur noch eine kleinere Ehegattenrente bezahlen (falls dieser wieder heiratet und dann stirbt). Das erhöht umgekehrt die lebenslange Rente des ausgleichsberechtigten Ehegatten.

Rechtlich ist die Formel zur Umrechnung im Anhang der Freizügigkeitsverordnung festgelegt. Die Umrechnung wird in der Praxis allerdings nicht mit dieser – für Laien nicht verständlichen – Formel durchgeführt, sondern mit einem kostenlosen Rechner, den das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) auf dem Internet zur Verfügung stellt (www.bsv.admin.ch/fzv19h-umrechnung). Damit kann man selber Berechnungen anstellen. Diesen Rechner benützen auch die Gerichte und die Pensionskassen. Das verursacht so keinen grossen Aufwand und es ist transparent.