Rückgang von Darmkrebs in Deutschland

Seit dem Jahr 2002 gibt es in Deutschland das gesetzliche Programm zur Vorsorge gegen Darmkrebs. Hermann Brenner und seine Kollegen haben gemäss einem Artikel im Ärzteblatt von 2016 die Veränderung der Inzidenz und der Mortalität von Darmkrebs in Deutschland über den Zeitraum von 10 Jahren nach Einführung des Programms untersucht.

Fazit: Nach zuvor jahrzehntelangem Anstieg ist die Inzidenz in den Altersgruppen ab 55 Jahren um 17–26% zurückgegangen.

Während die Darmkrebsmortalität schon seit circa 30 Jahren tendenziell rückläufig ist, hat der Rückgang der Inzidenz erst in den letzten 10 Jahren eingesetzt. Der stärkere Rückgang der Inzidenz bei Frauen im Vergleich zu Männern in den Altersgruppen 55–64 und 65–74 steht im Einklang mit höheren Teilnahmeraten der Frauen an der Vorsorgekoloskopie in diesen Altersgruppen.

Die beobachteten epidemiologischen Muster sprechen dafür, dass die Vorsorge­koloskopie wesentlich zur Verhütung von Darmkrebs in Deutschland beiträgt. Langfristig wurden circa 180’000 Darmkrebsfälle verhindert.

Referenz: Dtsch Arztebl Int 2016; 113(7): 101-6; DOI: 10.3238/arztebl.2016.0101

Hirschhausen bei der Darm­spiegelung

In der Sendung „Hirschhausens Quiz des Menschen“ vom 22.9.2018 liess sich Eckart von Hirschhausen (der selber Arzt ist) bei der Darmspiegelung filmen. Das Video ist noch bis zum 22.9.2019 verfügbar.


Dabei gab es auch ein Gespräch mit Jörg Fischer, der schon mit 30 an Stuhl­unregel­mässig­keiten litt und seine Symptome zunächst ignorierte. Ein Artikel über die Felix Burda Stiftung, den er damals sah, bewegte ihn dann dazu, zum Arzt zu gehen. Der Darmkrebs wurde dann noch rechtzeitig gefunden.


Wie Ronald Reagan 1985 dem Darm­krebs entkam

US-Präsident Ronald Reagan wurde 1981 angeschossen. In der Folge liess er sich routinemässig medizinisch kontrollieren. So wurden auch seine Laborwerte monatlich bestimmt.

Im Dezember 1984 wurde ein neuer Arzt, Dr. John E. Hutton, eingestellt. Diesem fiel auf, dass der Hämatokrit-Wert von Reagan über Monate langsam gesunken war. Er benachrichtigte den leitenden Arzt, doch dieser reagierte abweisend. Er soll sich wie folgt geäussert haben: „Sehen sie ihn an, er rennt herum, reitet seine Pferde. Er ist in guter Verfassung. Ich will nichts mehr darüber hören.“ („Look at him, he’s running around, riding his horses. He’s in fine shape. I don’t want to hear any more about it.“)

Nachdem der leitende Arzt im Januar 1985 eine weitere Amtszeit abgelehnt hatte, schlug die Stunde von Dr. Hutton („the experience of a lifetime“): Im März 1985 wurde bei Reagan, nachdem ein Test für okkultes Blut im Stuhl positiv ausgefallen war, eine flexible Sigmoidoskopie durchgeführt. Dabei wurde ein kleiner, gutartiger Polyp gefunden. Obwohl zur selben Zeit bei seinem Bruder Neil Darmkrebs diagnostiziert worden war, verzichtete Reagan vorerst auf weitergehende Untersuchungen. So wurden grosse Teile des Dickdarms vorerst nicht untersucht (aufsteigendes und transversales Colon).

Glücklicherweise fand Dr. Hutton im Weissen Haus eine Verbündete: Frau Reagan war aufgefallen, dass er etwas in Reagan’s Diagrammen anstarrte. Hutton erklärte dann Frau Reagan das Konzept von okkultem Blut und teilte ihr seine Bedenken über den fallenden Hämatokrit-Wert mit.

Zu der Zeit war die Koloskopie noch eine ziemlich neue Methode und noch nicht Standard bei positivem Hämokult-Test. Trotz seiner Position als leitender Arzt, benötigte Dr. Hutton 1½ Jahre, um Nancy Reagan, und in der Folge auch den Präsidenten, davon zu überzeugen, eine Koloskopie durchzuführen.

Am 12. Juli 1985 wurde bei Reagan schliesslich eine Koloskopie durchgeführt. Dabei wurde ein Tumor im Zökum gefunden! Bereits am Tag darauf wurde Reagan operiert und der Tumor erfolgreich entfernt.

Man kann also sagen, dass Reagan den Darmkrebs überlebt hat, weil er angeschossen wurde und sein leitender Arzt gekündigt hatte.

Darmkrebs ist heute bei Frauen und Männern in der Schweiz und den USA leider immer noch Krebs-Killer Nummer zwei. Dabei wäre er gut vermeidbar.

Referenz: President Reagan’s Life Saving Colectomy and Subsequent Historical Implications (Military Medicine, Volume 179, Issue 7, 1 July 2014, Pages 704–707, https://doi.org/10.7205/MILMED-D-14-00034).

Screen for Life: Meryl Streep

Ein Aufruf von Meryl Streep in einem Video (in Englisch) der Centers for Disease Control and Prevention, vom 22.10.2015:

«There is so much in live we can’t control. But here is something we can: Colorectal cancer. It’s almost entirely preventable. (…) It could really save your live.»


Übersetzung: «Es gibt viele Dinge, die wir in unserem Leben nicht kontrollieren können. Es gibt aber etwas, dass wir kontrollieren können: Darmkrebs. Er ist fast gänzlich verhinderbar. (…) Das kann wirklich Ihr Leben retten.»