Neuer Anlauf zur Senkung des Umwandlungssatzes?

«Der Sonntag» thematisiert in der Ausgabe vom 6.11.2011 wieder einmal gross den Umwandlungssatz.

Colette Nova (seit August 2010 Vizedirektorin im Bundesamt für Sozial­ver­sicherungen – sie war übrigens auch Mitglied der BVG-Kommission) sagt im Interview: „Der Umwandlungssatz muss rasch sinken“ und weiter „wenn das Fundament eines Hauses nicht mehr solide ist, dann fällt eines Tages das ganze Haus zusammen“. Sie sagt, dass das Volk aber die Renten nominell gleich hoch halten will. Das bedeute, dass entweder mehr in den obligatorischen Teil der beruf­lichen Vorsorge einbezahlt werden muss oder der Koordinationsabzug gesenkt werden muss.

„Der Sonntag“ liefert eine gute Erklärung betreffend obligatorischer/über­obligatorischer Teil der Pensionskassen in der Schweiz:

Die 2. Säule erfolgt nach dem Kapitaldeckungsverfahren. Die Ver­sicherten sparen während ihres Erwerbslebens über Arbeit­ge­ber- und Arbeitnehmerbeiträge in den Pensionskassen ein Alters­kapital an. Bei ihrer Pensionierung wird mit Hilfe des Um­wandlungs­satzes die Rente berechnet, die jeder Versicherte jährlich erhält. Von einer Veränderung des Umwandlungssatzes sind jeweils nur die neuen Renten betroffen. Für den obligatorischen Teil der beruflichen Vorsorge ist ein Mindestumwandlungssatz festgelegt. Dieser wird bis 2014 schrittweise auf 6.8% gesenkt – eine weitere Sen­kung auf 6.4% wurde im März 2010 durch das Stimmvolk wuchtig verworfen. Den gesetzlich vor­geschriebenen Bedingungen unterliegen Jahres­einkommen zwischen Fr. 20’880 (Eintrittsschwelle für die berufliche Vorsorge) und Fr. 83’520. Davon wird der Koordi­nation­sabzug (Fr. 24’360) abgezogen. Daraus ergibt sich ein gesetzlich ver­sich­erter Lohn von minimal Fr. 3480 und maximal Fr. 59’160. Der Koordi­nationsabzug entspricht jenem Teil vom Lohn, der durch die AHV abgedeckt ist. Die Sparbeiträge auf dem Lohn unter Fr. 83’520 müs­sen derzeit mit einem minimalen Zinssatz von 2 Prozent verzinst werden. Der Bundesrat hat diesen Mindestzinssatz für 2012 auf 1.5% gesenkt.

Wer besser versichert ist oder mehr verdient als die besagten Fr. 83’520, hat auch Kapital im über­obliga­to­rischen Bereich. Der Umwandlungssatz kann hier auch tiefer als die gesetzlich vorge­schriebenen 6.8% sein. Nur jeder siebte Versicherte ist aus­schliess­lich im BVG-Obligatorium versichert. Die Altersvorsorge in der Schweiz basiert auf drei Säulen: AHV (1. Säule), berufliche Vorsorge (2. Säule) und freiwilliges Sparen mit 3a-Konti.

Man merke: „Nur jeder siebte Versicherte ist ausschliesslich im BVG-Obligatorium versichert“.

Schön wäre es, wenn auch bei den Hinterlassenenrenten möglichst alle aus dem gesamten Pensionskassenkapital gespeist würden.

Leider dürfen (sämtliche!) Hinterlassenenrenten nach Gesetz (dem BVG) auch bei über­obligatorischen Kassen auf das BVG-Minimum gesetzt werden, was konkret dann bedeutet, dass die Beiträge, die vor dem 1.1.1985 (in Kraft Setzung BVG) einbezahlt wurden, für die Berechnung der Hinter­lassenen­renten ignoriert werden dürfen. Zum Glück wagen es die meisten Pensions­kassen nicht, die Witwenrenten auf das gesetzlich erlaubte Mini­mum zu setzen. Für viele geschiedene Witwen wird es dann aber – mehr oder weniger direkt – so gemacht: Sie erhalten bei einigen Pensionskassen nur das gesetzliche Minimum und müssen, wenn bei der Scheidung schon ein Vorsorgefall einge­treten war und das PK-Kapital nicht mehr aufgeteilt werden konnte, nach dem Tod des Ex-Mannes dann Ergänzungsleistungen beantragen, weil man von einer Taschengeldrente nicht leben kann.