Der neue Artikel 124a ZGB zur Teilung der Renten

Der Na­tio­nal­rat hat am 1. Juni 2015 als Zweit­rat die Re­vi­sion Vor­sor­ge­aus­gleich (Ge­schäft 13.049) be­ra­ten und im Er­geb­nis der Fas­sung ge­mäss Stän­de­rat zu­ge­stimmt. Die Re­vi­sion wur­de zu­dem am 19. Juni 2015 in den Schluss­ab­stim­mun­gen be­stä­tigt. Das Par­la­ment hat da­mit sei­ne Ar­bei­ten ab­ge­schlos­sen.1

Ein we­sent­li­ches Ele­ment der Re­vi­sion ist der ne­ue Ar­ti­kel 124a des Zi­vil­ge­setz­bu­ches (ZGB). Er lau­tet wie folgt:2

Art. 124a (neu)
IV. Aus­gleich bei In­va­li­den­ren­ten nach dem re­gle­men­ta­risch­en Ren­ten­al­ter und bei Al­ters­ren­ten

1 Be­zieht ein Ehe­gat­te im Zeit­punkt der Ein­lei­tung des Schei­dungs­ver­fah­rens eine In­va­li­den­ren­te nach dem re­gle­men­ta­ri­schen Ren­ten­al­ter oder eine Al­ters­ren­te, so ent­schei­det das Ge­richt nach Er­mes­sen über die Tei­lung der Ren­te. Es be­ach­tet da­bei ins­be­son­dere die Dauer der Ehe und die Vor­sor­ge­be­dürf­nis­se bei­der Ehe­gat­ten.
2 Der dem be­rech­tig­ten Ehe­gat­ten zu­ge­spro­che­ne Ren­ten­an­teil wird in ei­ne le­bens­lan­ge Ren­te um­ge­rech­net. Die­se wird ihm von der Vor­sor­ge­ein­rich­tung des ver­pflich­te­ten Ehe­gat­ten aus­ge­rich­tet oder in seine Vor­sor­ge über­tra­gen.
3 Der Bun­des­rat re­gelt:
1. die ver­si­che­rungs­tech­ni­sche Um­rech­nung des Ren­ten­an­teils in eine le­bens­lan­ge Ren­te;
2. das Vor­ge­hen in Fäl­len, in de­nen die Al­ters­leis­tung auf­ge­scho­ben oder die In­va­li­den­ren­te we­gen Über­ent­schä­di­gung ge­kürzt ist.

Da­mit wird in Zu­kunft das bis­he­r­ige Pro­blem ge­löst, dass bei einer Schei­dung nach der Pen­sio­nie­rung das Pen­sions­kas­sen­ka­pi­tal nicht mehr auf­geteilt wer­den kon­nte und statt­des­sen ge­mäss dem bis­he­ri­gen Art. 124 ZGB nur noch eine „an­ge­mes­sene Ent­schä­di­gung“ als Aus­gleich ge­schul­det war. Wenn – wie in vie­len Fäl­len üb­lich – kein ge­nü­gen­des Ver­mö­gen für so eine Ent­schä­di­gung vor­han­den war, blieb nichts an­de­res üb­rig, als im Schei­dungs­ur­teil eine le­bens­läng­liche Ren­te zu ver­fü­gen, die der aus­gleichs­ver­pflich­tete dem aus­gleichs­be­rech­ti­gten Gat­ten zah­len mus­ste. Der Be­griff „le­bens­läng­lich“ be­zieht sich zwar grund­sätz­lich schon auf das Le­ben des­jeni­gen Ex-Gat­ten, der die Ren­te er­hal­ten soll, sie er­lischt aber trotz­dem spä­tes­tens auch dann, wenn der zah­lungs­pflich­ti­ge Ex-Gat­te stirbt. Die Pen­sions­kas­sen waren ge­setz­lich nicht ver­pflich­tet, die dem über­le­ben­den Ex-Gat­ten ver­lus­tig ge­gan­gene Ren­te (den so­ge­nan­nte „Ver­sor­ger­scha­den“) zu er­set­zen und be­zahl­ten auch tat­säch­lich in vie­len Fäl­len nur noch eine oft sehr ge­rin­ge Hin­ter­las­se­nen­ren­te.

Um­set­zung in Ver­ord­nung

Gem­äss Ab­satz 3 des neu­en Art. 124a ZGB, wird der Bun­des­rat er­mäch­tigt, per Ver­ord­nung fest­zu­le­gen, wie der Ren­ten­an­teil, den die Pen­si­ons­kas­se des Aus­gleichs­pflich­ti­gen ent­we­der di­rekt dem Aus­gleichs­be­rech­tig­ten oder sei­ner Vor­sor­ge­ein­rich­tung pe­ri­o­disch über­weist, nach ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­schen Grund­sät­zen um­ge­rech­net wer­den muss. Der Bun­des­rat wird, nach­dem die Re­fe­ren­dums­frist ab­ge­lau­fen ist (100 Tage nach der Pu­bli­ka­tion im Bun­des­blatt), die­se Ver­ord­nung er­las­sen und den Zeit­punkt des In­kraft­tre­tens al­ler Än­de­run­gen be­stim­men. Der 1.1.2016 ist ver­mut­lich nicht mehr mög­lich, da die Pen­si­ons­kas­sen sich auch noch auf die­se Än­de­run­gen ein­stel­len und ihre Re­gle­men­te und Pro­zes­se wer­den an­pas­sen müs­sen. Es dür­fte wohl eher der 1.1.2017 wer­den.

Wie die er­wähn­te Um­rech­nung ge­nau durch­ge­führt wer­den wird, ist also der­zeit noch nicht fest­ge­legt. Die Bot­schaft des Bun­des­ra­tes vom 29. Mai 2013 (BBl 2013 4887) ent­hält da­zu die fol­gen­den Er­läu­te­run­gen (Sei­te 4912):

Absatz 2 und Absatz 3 Ziffer 1: Der zu­ge­spro­che­ne Ren­ten­teil muss in einen le­bens­läng­li­chen An­spruch des aus­gleichs­be­rech­tig­ten Ehe­gat­ten um­ge­rech­net werden. Die Ren­te wurde näm­lich für die ver­si­cher­te Per­son be­rech­net und ent­spre­chend fi­nan­ziert. Sie wäre beim Tod der ver­si­cher­ten Per­son durch eine oft we­sen­tlich tie­fe­re Hin­ter­las­se­nen­ren­te ab­ge­löst wor­den. Neu soll der be­rech­tig­te Ehe­gat­te jedoch einen An­spruch ha­ben, der vom Tod des ver­si­cher­ten, aus­gleichs­ver­pflich­teten Ehe­gat­ten nicht be­ein­flusst wird und der auch den über­ob­li­ga­to­ri­schen Teil der Ren­te mit ein­schliesst. Die Vor­sorge­ein­rich­tung teilt dem Ge­richt oder den Par­tei­en auf An­fra­ge die Hö­he des für den an­deren Ehe­gat­ten um­ge­rech­ne­ten Ren­ten­an­teils mit. Der Bun­des­rat wird die tech­ni­schen Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen zu dieser Um­rech­nung und den In­for­ma­ti­ons­flüs­sen zwi­schen den Vor­sorge­ein­rich­tun­gen, dem Ge­richt und den Ehe­gat­ten er­las­sen (vgl. Art. 24 Abs. 3 und 4 E-FZG).

Und zu­dem fol­gen­des Bei­spiel:

Ein 70-jäh­ri­ger Mann er­hält ei­ne Al­ters­ren­te von 2000 Fran­ken pro Mo­nat, und das Re­gle­ment der zu­stän­di­gen Vor­sor­ge­ein­rich­tung legt die Höhe der Hin­ter­las­se­nen­ren­te bei 60 Pro­zent der lau­fen­den Al­ters­ren­te fest. Die Frau ist 5 Jah­re jün­ger als der Mann und hat kei­ne ei­gene 2. Säu­le.

Si­tua­tion 1: Die Ehe hat lan­ge ge­dau­ert und die Al­ters­vor­sor­ge des Man­nes wur­de grös­sten­teils in den ge­mein­sa­men Ehe­jah­ren auf­ge­baut. Das Ge­richt ent­schei­det da­her, dass die gan­zen Vor­sor­ge­an­sprü­che (in Form der lau­fen­den Al­ters­ren­te) häl­ftig ge­teilt wer­den sol­len. Der Mann be­hält so­mit 1000 Fran­ken pro Mo­nat. Die Frau er­hält eine le­bens­läng­liche Ren­te, die wert­mäs­sig der Häl­fte der lau­fen­den Alt­ers­ren­te des Man­nes ent­spricht und sich in die­sem Fall auf 930 Fran­ken pro Mo­nat be­läuft.

In die­sem Bei­spiel wird also die Al­ters­ren­te des Man­nes von 2’000 Fran­ken pro Mo­nat hal­biert und der Teil, den die Frau er­hält, in eine le­bens­läng­liche Ren­te von 930 Fran­ken pro Mo­nat um­ge­rech­net, wel­che sie neu di­rekt von der Pen­si­ons­kas­se des Man­nes bis an ihr ei­ge­nes Le­bens­en­de aus­be­zahlt er­hält. Die Frau er­hält we­ni­ger als 1’000 Fran­ken, weil sie jün­ger ist und dem­zu­fol­ge ei­ne hö­here Rest-Le­bens­er­war­tung hat. Da der Teil, der vom Mann stammt, ur­sprüng­lich für sei­ne Le­bens­er­war­tung be­rech­net wur­de, muss er ver­si­che­rungs­tech­nisch auf die jün­ge­re Frau an­ge­pas­st wer­den. Das führt also zu ei­ner Re­duk­tion. Nach der Schei­dung muss dann also die Pen­si­ons­kas­se zwei Ren­ten zah­len, de­ren mo­nat­liche Sum­me in die­sem Fall aber nur noch 1’930 Fran­ken pro Mo­nat be­trägt. Also eine Re­duk­tion von 70 Fran­ken pro Mo­nat, im Ver­gleich zur Si­tua­tion vor der Schei­dung, als 2’000 Fran­ken pro Mo­nat an den Mann al­leine fäl­lig wa­ren. Um­ge­kehrt trägt die Pen­si­ons­kas­se dann das Ri­si­ko der Lang­le­big­keit von zwei Per­so­nen: Beim Mann im Um­fang ei­ner re­du­zier­ten Ren­te von 1’000 Fran­ken mo­nat­lich, bei der Frau von 930 Fran­ken mo­nat­lich. Die Ren­te an die Frau be­rech­tigt im Üb­ri­gen nicht zu wei­te­ren Hin­ter­las­se­nen­leis­tun­gen, d.h. wenn sie wie­der hei­ra­tet, wird es des­we­gen kei­ne Wit­wer­ren­te ge­ben. Die Ren­te er­lischt bei ei­ner er­neu­ten Hei­rat aber auch nicht. Die Hin­ter­las­se­nen­leis­tun­gen bei der Ren­te des Man­nes wer­den neu auf der Grund­la­ge der re­du­zier­ten Ren­te von 1’000 Fran­ken pro Mo­nat be­rech­net, d.h. die an­wart­schaft­li­che Wit­wen­ren­te ei­ner all­fäl­li­gen zwei­ten Frau re­du­ziert sich da­durch ent­spre­chend.

Be­din­gun­gen zur Aus­zah­lung der Ren­te

Was mit der Ren­te auf Sei­ten des Aus­gleichs­be­rech­tig­ten Ex-Gat­ten zu ge­sche­hen hat, re­gelt un­ter an­de­rem der Ab­satz 1 des eben­falls neu­en Ar­ti­kels 22e im Frei­zü­gig­keits­ge­setz (FZG):

Art. 22e (neu)
Aus­zah­lung auf­grund von Al­ter oder In­va­li­di­tät

1 Hat der be­rech­tig­te Ehe­gat­te An­spruch auf ei­ne vol­le In­va­li­den­ren­te oder hat er das Min­dest­al­ter für den vor­zei­ti­gen Al­ters­rück­tritt (Art. 1 Abs. 3 BVG) er­reicht, so kann er die Aus­zah­lung der le­bens­lan­gen Ren­te nach Ar­ti­kel 124a ZGB ver­lan­gen.

Ge­mäss Sei­te 4947 der Bot­schaft gilt für das ge­set­zli­che Min­dest­al­ter für den vor­zei­ti­gen Al­ters­rück­tritt ge­gen­wär­tig das voll­en­de­te 58. Al­ters­jahr. Ist al­so der Aus­gleichs­be­rech­tig­te Gat­te 58 Jah­re alt oder be­zieht er eine vol­le In­va­li­den­ren­te, kann er die Aus­zah­lung des Ren­ten­teils an sich ver­lan­gen.

Über­gangs­recht

Die nun vom Par­la­ment gut­ge­heis­se­nen Än­de­run­gen ent­hal­ten noch eine Re­ge­lung für ei­nen Teil der der­zeit be­rei­ts Ge­schie­de­nen. Al­ler­din­gs nur für die­jen­igen, die nach dem 1.1.2000 ge­schie­den wur­den und de­ren Ex-Ehe­gat­te noch lebt. In den An­wend­ungs- und Ein­füh­rungs­be­stim­mun­gen der Ge­set­zes­än­de­rung be­fin­det sich da­zu der Ar­ti­kel 7e:

Art. 7e (neu)
5. Um­wand­lung be­ste­hen­der Ren­ten

1 Hat das Ge­richt un­ter bis­he­ri­gem Re­cht bei Schei­dung nach Ein­tritt ei­nes Vor­sor­ge­falls dem be­rech­tig­ten Ehe­gat­ten eine Ent­schä­di­gung in Form ei­ner Ren­te zu­ge­spro­chen, die erst mit dem Tod des ver­pflich­te­ten oder des be­rech­tig­ten Ehe­gat­ten er­lischt, so kann der be­rech­tig­te Ehe­gat­te in­ner­halb ei­nes Jah­res nach dem In­kraft­tre­ten der Än­de­rung vom 19. Juni 2015 beim Ge­richt ver­lan­gen, dass ihm statt­des­sen eine le­bens­lan­ge Ren­te nach Ar­ti­kel 124a zu­ge­spro­chen wird, wenn der ver­pflich­te­te Ehe­gat­te eine In­va­li­den­ren­te nach dem re­gle­men­ta­ri­schen Ren­ten­al­ter oder eine Al­ters­ren­te bezieht.
2 (…)
3 Die Ren­te nach bis­he­ri­gem Recht gilt als zu­ge­spro­che­ner Ren­ten­an­teil.

In den Er­läu­te­run­gen in der Bot­schaft steht da­zu:

Art. 7e SchlT Um­wand­lung be­ste­hen­der Ren­ten

Ab­satz 1: Hat ein ge­schie­de­ner Ehe­gat­te bei der Schei­dung ge­stützt auf den bis­he­ri­gen Ar­ti­kel 124 ZGB ei­ne an­ge­mes­se­ne Ent­schä­di­gung in Form ei­ner Ren­te zu­ge­spro­chen er­hal­ten, so kann er die­se unt­er Um­stän­den für die Zu­kunft an das neue Recht an­pas­sen, das heisst sie in ei­nen le­bens­läng­li­chen Ren­ten­an­spruch ge­gen­über der Vor­sorge­ein­rich­tung des Ex-Ehe­gat­ten um­wan­deln las­sen. Da­durch wird die Rechts­na­tur der Ren­te ge­än­dert: Aus ei­ner zi­vil­recht­li­chen Ren­te wird eine Ren­te, die dem Recht der be­ruf­li­chen Vor­sor­ge unter­liegt. Die­se wird nicht mehr durch den Ex-Ehe­gat­ten, son­dern durch des­sen Vor­sor­ge­ein­rich­tung ge­leis­tet, und zwar di­rekt an die aus­gleichs­be­rech­tig­te Per­son, falls die­se in­va­lid ist oder das Ren­ten­al­ter er­reicht hat (Art. 22e E-FZG), an­dern­falls an de­ren Vor­sor­ge- oder Frei­zü­gig­keits­ein­rich­tung (Art. 22c E-FZG).

Für die Um­wand­lung müs­sen aller­dings ver­schie­de­ne ma­ter­ielle Vor­aus­set­zun­gen ge­ge­ben sein: Die Ent­schä­di­gung muss im Schei­dungs­ur­teil in Form ei­ner zeit­lich nicht limi­tier­ten Ren­te («Ren­te …, die erst mit dem Tod des ver­pflich­te­ten oder des be­rech­tig­ten Ehe­gat­ten er­lischt») aus­ge­spro­chen wor­den sein. Hat die vor­sor­ge­ver­pflich­te­te Per­son die Ren­te le­dig­lich für eine be­stim­mte Dau­er aus­zu­rich­ten, so ist eine Um­wand­lung in eine le­bens­läng­li­che Ren­te nicht mög­lich. In die­sem Fall trägt die vor­sor­ge­be­rech­tig­te Per­son gleich wie bei Unter­halts­leis­tun­gen das Ri­si­ko, dass der Ex-Ehe­gat­te vor Ab­lauf der im Ur­teil vor­ge­se­he­nen Leis­tungs­dau­er stirbt.

Wei­ter kommt die Um­wand­lung nur in Be­tracht, wenn die Ent­schä­di­gung zu­ge­spro­chen wur­de, weil im Zeit­punkt der Schei­dung be­reits ein Vor­sor­ge­fall ein­ge­tre­ten war. Die Um­wand­lung ist hin­ge­gen aus­ge­schlos­sen, wenn die Ent­schä­di­gung an­ge­ord­net wur­de, weil die An­sprü­che aus be­ruf­li­cher Vor­sor­ge aus an­de­ren Grün­den nicht ge­teilt wer­den kon­nten. Dies ist bei­spiel­wei­se der Fall, wenn sich ein Ehe­gat­te wäh­rend der Ehe die Aus­tritts­leis­tung bar aus­zah­len liess (Art. 5 FZG). Eben­falls nicht mög­lich ist ei­ne Umw­and­lung, wenn ei­ne an­ge­mes­sene Ent­schä­di­gung in Form ei­ner Ka­pi­tal­leis­tung vor­ge­se­hen wur­de. In dies­em Fall ist näm­lich da­von aus­zu­gehen, dass der Vor­sor­ge­aus­gleich durch die Aus­rich­tung die­ser Ka­pi­tal­leis­tung voll­zo­gen wur­de.

Die Um­wand­lung setzt wei­ter vo­raus, dass die aus­gleichs­ver­pflich­tete Per­son im Zeit­punkt, in dem die be­rech­tig­te Per­son das Be­geh­ren auf Um­wand­lung stellt, eine In­va­li­den­ren­te nach dem re­gle­men­ta­ri­schen Ren­ten­al­ter oder eine Al­ters­ren­te be­zieht. In den an­de­ren Fäl­len, also wenn die aus­gleichs­ver­pflich­te­te Per­son in­va­lid ist, aber das re­gle­men­ta­ri­sche Ren­ten­al­ter noch nicht er­reicht hat, würde auch nach neu­em Recht nicht ei­ne le­bens­läng­li­che Ren­te, son­dern – ge­stützt auf Ar­ti­kel 124 ZGB – ei­ne Aus­tritts­leis­tung zu­ge­spro­chen. Nicht mehr mög­lich ist im Üb­ri­gen ei­ne Um­wand­lung, wenn die aus­gleichs­ver­pflich­te­te Per­son bei Ein­rei­chung des ent­spre­chen­den Ge­suchs be­reits ver­stor­ben ist: Mit dem Tod ist der An­spruch auf die bei der Schei­dung zu­ge­spro­chene zi­vil­recht­liche Ren­te er­lo­schen; es be­steht al­so kein Ren­ten­an­spruch mehr, der um­ge­wan­delt wer­den kön­nte. Zu­dem ist in dieser Si­tua­tion der Vor­sor­ge­fall Tod be­reits ein­ge­tre­ten; des­sen Fol­gen, bei­spiels­wei­se Wai­sen­ren­te oder Ren­te für den über­le­ben­den Ehe­gat­ten, kön­nen nicht rück­wir­kend ab­ge­än­dert wer­den.

Das Ge­such um Umw­and­lung ist in­ner­halb ei­nes Jah­res nach In­kraft­tre­ten die­ser Re­vi­sion ein­zu­rei­chen. Aus Prak­ti­ka­bi­li­täts­grün­den ist das Ge­such beim Ge­richt ein­zu­rei­chen, das das Schei­dungs­ur­teil aus­ge­spro­chen bzw. die in Frage ste­hen­de Schei­dungs­kon­ven­tion ge­neh­migt hat.

In der Rechts­kom­mis­sion des Na­tio­nal­ra­tes war da­zu noch ein Min­der­heits­an­trag for­mu­liert wor­den, mit dem ver­sucht wor­den war, auch bei be­reits ver­stor­be­nen Ex-Ehe­gat­ten die Ren­te wie­der auf­le­ben zu las­sen. Frau Na­tio­nal­rä­tin Schneider Schüttel hat­te dann aber in der Rats­de­bat­te ih­ren Min­der­heits­an­trag noch vor der Ab­stim­mung im Rat zu­rück­ge­zo­gen. Es ist an­zu­neh­men, dass die­ser – lei­der – wohl auch wenig Chan­cen ge­habt hät­te.

(aktualisiert am 14.9.2017)

Nachtrag 1.6.2017: Die Gesetzesänderung ist seit dem 1.1.2017 in Kraft.

Nachtrag 14.9.2017: Gemäss den Erwägungen des Gerichts im begründeten Entscheid über die Klage meiner Mutter, ist für die Abänderung eines Scheidungsurteils gestützt auf Art. 284 Abs. 3 ZPO in Verbindung mit Art. 23 Abs. 1 ZPO das Gericht am Wohnsitz einer Partei zwingend zuständig. Die in der Botschaft vertretene Auffassung, wonach das Gesuch aus Praktikabilitäts­gründen «beim Gericht einzureichen sei, welches das Scheidungsurteil ausgesprochen hat» (BBl 2013 4887, S. 4924), ist offenbar nicht zutreffend.

Mehr dazu in:


  1. Die Än­de­run­gen wur­den am 30. Juni 2015 im Bun­des­blatt pu­bl­iziert (BBl 2015 4883). Die Re­fe­ren­dums­frist läuft am 8. Ok­to­ber 2015 ab. 
  2. Fas­sung ge­mäss Schlus­sab­stim­mungs­text. Die Re­dak­tions­kom­mis­sion hat den Be­griff „le­bens­läng­lich“ durch „le­bens­lang“ er­setzt.