Eine gefährliche Empfehlung

Bei der „Schweizerischen Stiftung SPO Patientenschutz“ fand man auf der Homepage im Internet einen undatierten Beitrag mit dem Titel „Vorsicht bei prophylaktischen Untersuchungen!“. In dem Beitrag wurde von einer über 60-jährigen Frau berichtet, die sich verängstigt an die Beratungsstelle der SPO gewendet hatte. Der Grund dafür war, dass ihr der Hausarzt eine Darmspiegelung empfohlen hatte. Sie sagte, sie habe «unglaubliche Angst vor dieser Untersuchung».

Die Autorin berichtete dann, sie habe der Dame gesagt, dass diese Untersuchung «nicht unbedingt nötig» sei, wenn sie keine Symptome und keine familiäre Belastung habe. Es sei «wichtig, auch auf ihr Gefühl, die Angst zu hören». Diese Untersuchung werde nur prophylaktisch durchgeführt, «um einen Darmkrebs rechtzeitig zu entdecken». Sie habe dann von der Untersuchung abgeraten.

Dieser Ratschlag war falsch und sehr gefährlich. Glücklicherweise hatte die SPO ein Einsehen und löschte nun den von mir beanstandeten Beitrag.

Darmkrebs tritt in 70-75% der Fälle spontan auf, d.h. zum ersten Mal in der Familie.

Bei der vorsorglichen Darmspiegelung, welche von der Krebsliga ab 50 zur Vorsorge gegen Darmkrebs empfohlen wird, geht es nicht bloss darum, Darmkrebs rechtzeitig zu entdecken, sondern es können damit auch Vorstufen von Darmkrebs, sogenannte Polypen, entdeckt und in der selben Untersuchung sicher und schmerzfrei entfernt werden. Studien haben gezeigt, dass damit das Risiko, an Darmkrebs zu sterben, um bis zu 90% gesenkt wird. Darmkrebs entwickelt sich innert 5 bis 10 Jahren meist aus Polypen.

Die Untersuchung ist sehr sicher, wie eine im Deutschen Bundesland Saarland durchgeführte Studie deutlich gezeigt hat. Die Komplikationsraten liegen im Promillebereich.

Das Risiko, im Leben an Darmkrebs zu erkranken, beträgt für Frauen 4.7% und für Männer 6.3%. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Erkrankung auftritt, steigt ab 50 stark an. Im Durchschnitt sind die Betroffenen bei der Diagnose 68 Jahre alt.

Für die verängstigte Anruferin wäre also eine vorsorgliche Darmspiegelung tatsächlich längst überfällig gewesen. Bei der SPO hätte man ihr besser die Angst vor der Untersuchung genommen, anstatt ihr davon abzuraten. Dem betreffenden Hausarzt kann man zu seinem Vorschlag nur gratulieren.

Dazu ein kurzes Video der deutschen Felix Burda Stiftung.


In der Schweiz übernehmen die Krankenkassen die Darmspiegelung bereits ab 50 (abzüglich Franchise und Selbstbehalt).

1’700 Menschen sterben in der Schweiz jedes Jahr an Darmkrebs. Darmkrebs ist vermeidbar.

Nachtrag vom 4.9.2018, 17:48: Mein Blog-Beitrag hat Wirkung gezeigt. Die SPO hat den von mir beanstandeten Beitrag gelöscht.