Am falschen Ort gespart

Anna Wanner schrieb am 16.7.2016 in der Aargauer Zeitung einen Kommentar mit dem Titel „Der Preis des Schlaraffenlandes“.

Unter der Überschrift „Mehr Selbstverantwortung der Patienten gefordert“ steht unter anderem zu lesen, jeder solle sich Gedanken machen, ob «die Darmspiegelung tatsächlich nötig» sei.

Die Darmspiegelung zur Vorsorge und Prävention gegen Darmkrebs ist in der Tat notwendig. Studien haben deren Wirksamkeit und Sicherheit klar gezeigt. Die Krebsliga empfiehlt die Darmspiegelung zur Vorsorge ab dem Alter von 50 Jahren. Aus gutem Grund ist die Darmspiegelung als Vorsorgeuntersuchung ab Alter 50 seit 2013 schweizweit für die Krankenkassen Pflichtleistung.

Was die von Wanner angesprochene Selbstverantwortung anbelangt, sollte man sich viel eher fragen, ob man es sich leisten kann, auf die Darmspiegelung zu verzichten. Dies gilt ganz besonders für uns Männer. Darmkrebs ist leider eine sehr häufige Erkrankung. Einer von 16 erkrankt im Leben daran (Frauen: eine von 21). Abgesehen vom Leid, welches durch vermeidbare Darmkrebserkrankungen verursacht wird, sollte man auch bedenken, dass die Behandlung von Darmkrebs ohne weiteres Kosten im Bereich von 100’000 Franken pro Fall verursachen kann. Das ist dann weit teurer, als alle 10 Jahre eine vorsorgliche Koloskopie für vielleicht 1’500 Franken. Eine Investition von 150 Franken pro Jahr, welche das Risiko, an Darmkrebs zu sterben, um satte 90% senkt (Quelle: Studie von Prof. Marbet), ist wirklich nicht übertrieben.

Es bleibt bloss zu hoffen, dass der Vater von Frau Wanner von der Möglichkeit der Darmspiegelung Gebrauch gemacht und nicht am falschen Ort gespart hat. Nicht Rauchen hilft. Risikofaktor Nummer eins beim Darmkrebs bleibt aber das Alter. Älter werden wir alle.