Die Alternativen

Meiner Mutter wurde bei der Scheidung im Jahr 2005 ein Rentenanteil von 50% von der Rente der Pensionskasse ihres Exmannes zugesprochen. Das Problem dabei war, dass sie von der Pensionskasse nur noch eine sehr kleine Rente erhalten hätte, wenn ihr Exmann vor ihr verstorben wäre – dies nach mehr als 40 Jahren Ehe.

Dieses Problem wurde mit einer Gesetzesänderung, für die ich einige Jahre gekämpft hatte, entschärft. Seit dieser Änderung werden nun in der Schweiz auch dann die Pensionskassen-Ansprüche bei Scheidungen geteilt, wenn der ausgleichspflichtige Ehegatte bei der Scheidung bereits eine Rente bezieht. Das Problem, das meine Mutter mit ihrer Rente hatte, wurde damit gelöst. Mehr noch: Meine Mutter konnte dank einer Übergangsbestimmung sogar noch nachträglich ihre Rente in eine lebenslange Rente umwandeln lassen. Eine unglaubliche Chance. Leider war sie da schon 81 Jahre alt.

Mit Entscheid vom 21. März 2017 wurde der Rentenanteil meiner Mutter in eine lebenslange Rente umgewandelt. Die Rente ihres Exmannes änderte sich dadurch nicht. Wegen dem Altersunterschied (meine Mutter war einige Jahre älter, als ihr Exmann) erhöhte sich der Betrag nach der versicherungstechnischen Umrechnung auf 83% der ungeteilten Rente. Dem Exmann verblieben unverändert 50%.

Der Exmann war über dieses Ergebnis natürlich nicht erfreut, da er dies als ungerecht empfand. Obwohl er deutlich jünger als meine Mutter war, hätte er an der Erhöhung beteiligt werden wollen. Ein durchaus verständliches Anliegen. Das Problem dabei war, dass das Gesetz dafür keine gesonderte Regelung vorsieht. Für einmal hatte also nicht meine Mutter ein Problem mit dem Gesetz, sondern ihr Exmann. Wenn auch ein eher kleines. Seine Rente war ja stets gesichert.

Für die Umwandlung ihres Rentenanteils musste meine Mutter anfangs 2017 eine Klage beim Gericht einreichen. Wir hatten uns damals überlegt, wie wir für diese Umwandlung vorgehen sollten. Uns war natürlich bewusst, dass dieses Ergebnis beim Exmann – gelinde gesagt – keine Freude auslösen würde.

Wir hätten für diese Umwandlung durchaus vorgängig mit dem Exmann über eine andere Lösung sprechen können. Den Versuch, mit ihm einvernehmlich eine für ihn vorteilhaftere Lösung zu finden, stellten wir uns allerdings als schwierig vor. Man hätte beim Gericht einen gemeinsamen Antrag einreichen müssen. Dazu hätte er mindestens ein Dokument unterschreiben und vorgängig bei der Pensionskasse eine Bestätigung einholen müssen. Nach den jahrelangen Anfeindungen war bei uns aber die Motivation, nach einer einvernehmlichen Lösung zu suchen, auf einem Tiefpunkt angelangt. Es war ja auch nicht das Problem meiner Mutter, sondern seines. Also verzichtete meine Mutter darauf, vorgängig das Gespräch zu suchen und entschied sich zunächst dafür, eine Klage einzureichen. Man hätte dann auch noch im Verlauf des Verfahrens andere Lösungen diskutieren können.

Uns war nicht klar, wie der Exmann sich im Verfahren zur Umwandlung verhalten würde. Wenn man eine Klage einreicht, muss man sich bewusst sein, dass das Gericht nicht mehr zusprechen darf, als die Klägerin in der Klage beantragt. Wenn sich ein – womöglich jahrelanger – Streit vor Gericht abzeichnet, macht es deshalb wenig Sinn, der Gegenseite schon in der Klage entgegenzukommen. Es hätte dann auf Seiten meiner Mutter keine Verhandlungsmasse mehr gegeben. Logischerweise fordert man dann eben in der Klage zunächst einmal das Maximum, was gemäss Gesetz vorgesehen ist und wartet dann erst einmal ab, was die Gegenseite in der Antwort auf die Klage vorschlägt. Wir gingen auch davon aus, dass sich die Gegenseite eingehend mit der Materie beschäftigte hatte. Immerhin war ja das Inkrafttreten der Gesetzesänderung lange vorher absehbar. Ich hatte die ganze Sache ja auch ausführlich in meinem Blog dokumentiert.

Wir waren dann sehr überrascht, dass der Exmann als Antwort auf die Klage zwar einen – wenig sinnvollen – Gegenvorschlag machte, diesen aber wenige Tage später gleich wieder zurückzog. Wenn er diesen nicht zurückgezogen hätte, hätte das Gericht zu einer Einigungsverhandlung eingeladen, bei der man die Angelegenheit hätte besprechen können. Der Exmann erklärte zu unserer Verblüffung dann aber, dass er auf gar keinen Fall zu so einer Verhandlung erscheinen wolle. Nun gut: Schlussendlich lag dann also kein Gegenantrag mehr vor.

Er verzögerte allerdings die Sache dann noch, indem er eine Begründung des Entscheids verlangte. Anfechten wollte er den Entscheid nicht. Damit wurde der Entscheid dann rechtskräftig und das Rentenproblem meiner Mutter endlich gelöst.

Was wäre die Alternative gewesen? Wir hatten durchaus einen anderen Vorschlag in petto gehabt. Man hätte den zugesprochenen Anteil (Wert vor Umrechnung) soweit reduzieren können, dass der verbleibende Anteil des Exmannes und die umgerechnete lebenslange Rente meiner Mutter etwa gleich hoch gewesen wären – auch über den Tod meiner Mutter hinaus. Mit dem Umrechnungstool im Internet kann man leicht verschiedene Zahlenwerte durchspielen.

Man hätte den zugesprochenen Rentenanteil (Wert vor Umrechnung) soweit reduzieren können, dass beide eine lebenslange Rente von 62.4% der ungeteilten, ursprünglichen Rente gehabt hätten.

Eigentlich hatte ich diese Lösung als Gegenvorschlag vom Exmann erwartet. Stattdessen kamen bloss weitere Anfeindungen,  ein untauglicher Vorschlag und der sofortige Rückzug desselben.

Leider ist dann meine Mutter 11 Monate nach der Umwandlung, nach kurzer, schwerer Krankheit, überraschend gestorben. Von der Umwandlung hat sie also nicht mehr lange profitieren können. Es wäre besser gewesen, wenn ich mich mit der Vorsorge gegen Darmkrebs befasst hätte, anstatt meine Zeit mit dem Rentenproblem meiner Mutter und ihrem Exmann zu vergeuden.

Immerhin bleibt die Rente des Exmannes nun auch über den Tod meiner Mutter hinaus bei 50% – anstatt bei 62% oder gar 100%. Wenn meine Mutter vor Rechtskraft der Umwandlung gestorben wäre, hätte sich seine Rente verdoppelt.

Dieses Ergebnis ist jetzt auch für die Pensionskasse günstiger.

Was kann man nun noch machen? Die Vergangenheit können wir nicht ändern.

Darmkrebs ist vermeidbar. Machen Sie die Vorsorge gegen Darmkrebs und erzählen sie es weiter. Ich habe es getan.

Was machen Sie?

Die Sache mit der Familien­geschichte

75% der Fälle von Darmkrebs sind spontan, d.h. keiner in der Familie hatte vorher Darmkrebs. Bei 25% der Fälle ist Darmkrebs in der Familie schon vorgekommen. 10% aller Erwachsenen hatten schon Darmkrebs in der Familie. Das ist erstaunlich viel.

Das absolute Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, steigt mit dem Alter an. Ab 50 Jahren ist der Anstieg markant. Deshalb sollten Leute mit durchschnittlichem Risiko auch spätestens ab 50 die Vorsorge machen.

Eine im Jahr 1994 publizierte Studie („A Prospective Study of Family History and the Risk of Colorectal Cancer“, Fuchs et al.) hat gezeigt, dass das relative Risiko, das mit einem erstgradig Verwandten mit Darmkrebs einhergeht, speziell bei jungen Leuten hoch ist und dann mit steigendem Alter des betreffenden abnimmt. Im Alter von 70 Jahren ist dieses relative Risiko nahezu 1.0, d.h. ob jemand mit 70 schon Darmkrebs in der Familie hatte oder nicht, spielt praktisch keine Rolle mehr.

Mit 70 ist aber das absolute Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, schon sehr hoch. Wer in diesem Alter die Vorsorge immer noch nicht gemacht hat, setzt sich diesem voll aus.

Das relative Risiko ist auch erhöht, wenn ein erstgradig Verwandter ein fortgeschrittenes Adenom hatte. Adenome gelten unter anderem dann als fortgeschritten, wenn sie 1 cm oder grösser sind.

Im Jahr 2013 habe ich erfahren, dass bei meinem Vater im selben Jahr Polypen gefunden wurden. Damals war ich 48 Jahre alt.

2018 starb meine Mutter im Alter von 81 Jahren wegen Darmkrebs. 41 Tage nach der Diagnose. Sie war nie zur Vorsorge gegangen. Leider hatten wir sie nicht dazu ermuntert. Uns war nicht bewusst, wie hoch das Darmkrebs-Risiko ist. Uns war auch nicht klar, dass Komplikationen bei Darmspiegelungen heutzutage sehr selten sind (Perforation: 4/10’000, Blutung: 8/10’000).

Erst nach dem Tod meiner Mutter wurde ich darüber informiert, dass einer der Polypen, der 2013 bei meinem Vater diagnostiziert wurde, ein fortgeschrittenes Adenom war.

Mein Vater war bei seiner Diagnose älter als 60. Gemäss den US-Richtlinien der MSTF hätte ich im Jahr 2013 mit 48 Jahren zum ersten Mal die Darmkrebs-Vorsorge machen sollen. Als Verfahren wären damals der FIT Test oder die Darmspiegelung zulässig gewesen.
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Ich hatte dies nicht gewusst! Wenn bei einer Koloskopie fortgeschrittene Adenome gefunden werden, sollten die Mitglieder der Familie unbedingt informiert werden, damit sie dies bei der eigenen Vorsorge berücksichtigen können.

Mein Bruder wusste es auch nicht. Er hätte damals mit 45 mit der Vorsorge beginnen sollen (FIT oder Koloskopie).

Im Jahr 2018 wussten mein Bruder und ich dann also, dass wir eine erstgradig Verwandte mit Darmkrebs hatten und einen weiteren erstgradig Verwandten mit fortgeschrittenem Adenom. Gemäss den US-Richtlinien folgt daraus, dass für uns nur noch die Koloskopie in Frage kommt. Wir müssen diese alle 5 Jahre machen.

Ich bin leider erst mit 53, zwei Monate nach dem Tod meiner Mutter, zur Koloskopie gegangen. Dabei wurden 3 Adenome gefunden und entfernt. Gemäss Bericht war eines 1 cm gross, also fortgeschritten. Kurz danach ist auch mein Bruder zur Darmspiegelung gegangen. Er hatte bloss zwei kleine Adenome. Unsere Adenome waren alle „Low-Grade“.

Wenn ich mich eingehend mit der Materie befasst hätte und ich schon 2013 umfassend informiert worden wäre, hätte ich nicht bloss selber die Vorsorge gemacht, sondern hätte wohl auch meiner Mutter die Vorsorge nahe gelegt. Sie hat nicht einmal den FIT Test gemacht.

Wissen kann Leben retten.

FIT – ein günstiger Test aus der Apotheke

In der Schweiz kann man in vielen Apotheken zur Vorsorge gegen Darmkrebs einen FIT-Test (Fecal Immunochemical Test) kaufen. Dieser Test wird im Rahmen der Kampagne nein-zu-darmkrebs.ch angeboten und kostet 30 Franken (Stand April 2019).

Man kann den Test nur für sich selber kaufen, da die Apothekerin oder der Apotheker bei der Abgabe noch ein paar Fragen stellen muss. Der Test ist für Leute ab 50 Jahren mit durchschnittlichem Risiko geeignet.

Sind in der Familie bereits Darmkrebs-Erkrankungen oder fortgeschrittene Vorstufen vorgekommen, sollte man direkt zur Darmspiegelung gehen (mit 40 oder 10 Jahre vor dem ersten Auftreten in der Familie).

Zusammen mit dem Test wird auch eine Anleitung und ein stabiles, frankiertes Couvert für den Versand abgegeben.

Der Test kann sehr einfach zu Hause gemacht werden. Die verschlossene Probe wird an ein Labor zur Analyse eingeschickt. Für die Analyse fallen keine zusätzlichen Kosten an. Das Ergebnis des Tests kann man nach ca. 1 Woche wieder in der Apotheke abholen.

FIT-Tests erkennen bei einmaliger Anwendung bis zu 35% der fortgeschrittenen Adenome (Vorstufen) und 80% der Tumore. Die Erkennung wird durch regelmässige Wiederholung deutlich verbessert (mindestens alle zwei Jahre, besser jährlich). Nur bei positivem Ergebnis (=Blut im Stuhl) muss zur weiteren Abklärung eine Darmspiegelung gemacht werden.

Darmkrebs macht sehr lange keinerlei Symptome, ist aber gut vermeidbar. Deshalb ist die Vorsorge sehr wichtig.

«Dank dem Test lebe ich»

Antonio Jofre war in das Walnut-Creek-Zentrum gegangen, um sich gegen Grippe impfen zu lassen. Die Praxis-Assistentin, welche ihm die Spritze verabreichte, stellte fest, dass Jofre kürzlich 50 Jahre alt geworden war. Sie gab ihm deshalb einen FIT-Test mit, der in der Lage ist, verstecktes Blut im Stuhl anzuzeigen. Sie sagte ihm, der Test könne sehr einfach zu Hause gemacht werden.

Der Test zeigte tatsächlich Blut im Stuhl von Jofre an. Jofre liess deshalb eine Koloskopie machen. Dabei wurde Darmkrebs entdeckt! Ein paar Wochen nach seiner Grippe-Impfung wurde der Tumor chirurgisch entfernt und Jofre erhielt Chemotherapie.

„Dank dem FIT-Test geht es mir bestens. Ich lebe ein normales Leben und werde in der Lage sein, mit meiner Frau zusammen alt zu werden und ich kann meine Kinder aufwachsen sehen“, sagte Jofre.

Kaiser Permanente ist eine grosse Amerikanische Krankenkasse. Mitglieder über 50 erhalten jedes Jahr den FIT-Test zur Vorsorge gegen Darmkrebs. Mehr als 830’000 Mitglieder von Kaiser Permanente in Nord-Kalifornien machen regelmässig beim Darmkrebs-Screening mit. Das Labor von Kaiser Permanente in East Bay verarbeitet jeden Tag 3’000 per Post eingeschickte FIT-Tests.

Kaiser Permanente folgt den Empfehlungen der U.S. Preventive Services Task Force, welche für Erwachsene ab 50 mit durchschnittlichem Darmkrebs-Risiko entweder alle 10 Jahre eine Koloskopie oder jährlich den FIT-Test vorsehen.

Darmkrebs macht am Anfang keinerlei Symptome, deshalb ist das Screening wichtig. Mit der einmaligen Anwendung des FIT-Test können im Vergleich zur Koloskopie bis zu 80% der Tumore und 35% der fortgeschrittenen Adenome (Vorstufen von Krebs) erkannt werden. Der Effekt des FIT-Tests verbessert sich mit der regelmässigen Wiederholung. Der Test ist günstig und einfach anzuwenden. Nur bei einem positiven Ergebnis (Blut im Stuhl) muss anschliessend eine Koloskopie durchgeführt werden.