FIT – ein günstiger Test aus der Apotheke

In der Schweiz kann man in vielen Apotheken zur Vorsorge gegen Darmkrebs einen FIT-Test (Fecal Immunochemical Test) kaufen. Dieser Test wird im Rahmen der Kampagne nein-zu-darmkrebs.ch angeboten und kostet 30 Franken (Stand April 2019).

Man kann den Test nur für sich selber kaufen, da die Apothekerin oder der Apotheker bei der Abgabe noch ein paar Fragen stellen muss. Der Test ist für Leute ab 50 Jahren mit durchschnittlichem Risiko geeignet.

Sind in der Familie bereits Darmkrebs-Erkrankungen oder fortgeschrittene Vorstufen vorgekommen, sollte man direkt zur Darmspiegelung gehen (mit 40 oder 10 Jahre vor dem ersten Auftreten in der Familie).

Zusammen mit dem Test wird auch eine Anleitung und ein stabiles, frankiertes Couvert für den Versand abgegeben.

Der Test kann sehr einfach zu Hause gemacht werden. Die verschlossene Probe wird an ein Labor zur Analyse eingeschickt. Für die Analyse fallen keine zusätzlichen Kosten an. Das Ergebnis des Tests kann man nach ca. 1 Woche wieder in der Apotheke abholen.

FIT-Tests erkennen bei einmaliger Anwendung bis zu 35% der fortgeschrittenen Adenome (Vorstufen) und 80% der Tumore. Die Erkennung wird durch regelmässige Wiederholung deutlich verbessert (mindestens alle zwei Jahre, besser jährlich). Nur bei positivem Ergebnis (=Blut im Stuhl) muss zur weiteren Abklärung eine Darmspiegelung gemacht werden.

Darmkrebs macht sehr lange keinerlei Symptome, ist aber gut vermeidbar. Deshalb ist die Vorsorge sehr wichtig.

«Dank dem Test lebe ich»

Antonio Jofre war in das Walnut-Creek-Zentrum gegangen, um sich gegen Grippe impfen zu lassen. Die Praxis-Assistentin, welche ihm die Spritze verabreichte, stellte fest, dass Jofre kürzlich 50 Jahre alt geworden war. Sie gab ihm deshalb einen FIT-Test mit, der in der Lage ist, verstecktes Blut im Stuhl anzuzeigen. Sie sagte ihm, der Test könne sehr einfach zu Hause gemacht werden.

Der Test zeigte tatsächlich Blut im Stuhl von Jofre an. Jofre liess deshalb eine Koloskopie machen. Dabei wurde Darmkrebs entdeckt! Ein paar Wochen nach seiner Grippe-Impfung wurde der Tumor chirurgisch entfernt und Jofre erhielt Chemotherapie.

„Dank dem FIT-Test geht es mir bestens. Ich lebe ein normales Leben und werde in der Lage sein, mit meiner Frau zusammen alt zu werden und ich kann meine Kinder aufwachsen sehen“, sagte Jofre.

Kaiser Permanente ist eine grosse Amerikanische Krankenkasse. Mitglieder über 50 erhalten jedes Jahr den FIT-Test zur Vorsorge gegen Darmkrebs. Mehr als 830’000 Mitglieder von Kaiser Permanente in Nord-Kalifornien machen regelmässig beim Darmkrebs-Screening mit. Das Labor von Kaiser Permanente in East Bay verarbeitet jeden Tag 3’000 per Post eingeschickte FIT-Tests.

Kaiser Permanente folgt den Empfehlungen der U.S. Preventive Services Task Force, welche für Erwachsene ab 50 mit durchschnittlichem Darmkrebs-Risiko entweder alle 10 Jahre eine Koloskopie oder jährlich den FIT-Test vorsehen.

Darmkrebs macht am Anfang keinerlei Symptome, deshalb ist das Screening wichtig. Mit der einmaligen Anwendung des FIT-Test können im Vergleich zur Koloskopie bis zu 80% der Tumore und 35% der fortgeschrittenen Adenome (Vorstufen von Krebs) erkannt werden. Der Effekt des FIT-Tests verbessert sich mit der regelmässigen Wiederholung. Der Test ist günstig und einfach anzuwenden. Nur bei einem positiven Ergebnis (Blut im Stuhl) muss anschliessend eine Koloskopie durchgeführt werden.

Darmkrebs Video

Dr. Mark B. Pochapin zeigt in diesem Video, wie Darmkrebs aussieht:


Bei der Koloskopie (Darmspiegelung) wird der Dickdarm mit dem Endoskop untersucht. Der Arzt schiebt dazu das Endoskop bis zum Blinddarm (Zökum) vor und zieht es dann langsam zurück. Dabei untersucht er die Schleimhaut des Dickdarms und des Rektum. Das Video zeigt, wie ein Tumor aussieht.

Solche Tumoren bluten oft leicht. Mit dem FIT Test kann man das Blut im Stuhl nachweisen, auch wenn es von blossem Auge nicht sichtbar ist.

Der bösartige Tumor im Video entstand aus einem gutartigen Polypen. Diesen Polypen hätte man einige Jahre vorher mit einer Koloskopie auffinden und entfernen können.

So kann man mit der Koloskopie die Entstehung von Darmkrebs verhindern.

COLONPREV Studie: Koloskopie findet mehr Adenome als FIT

Bei der Spanischen COLONPREV Studie wurden 26’703 zufällig ausgewählten Personen eine einmalige Koloskopie (Darmspiegelung) und 26’599 Personen der FIT (Fecal Immunochemical Test; Stuhltest) angeboten, wobei der FIT jeweils im Abstand von zwei Jahren wiederholt wird. Alle Teilnehmer der Studie sind 50 bis 69 Jahre alt.

Die erste Runde der Studie (erster Durchgang mit FIT) wurde im Juni 2011 beendet. Die Studie dauert insgesamt 10 Jahre und wird 2021 abgeschlossen sein.

In einem Artikel vom 23. Februar 2012 im New England Journal of Medicine wurde über die erste Runde der Studie berichtet (Koloskopie vs. erstmaliger FIT).

In der Koloskopie-Gruppe hatten 4’953 Personen die Koloskopie tatsächlich durchgeführt (Partizipationsrate 18.5%). Bei 482 Personen (9.7%) wurden fortgeschrittene Adenome gefunden, bei 26 Darmkrebs (0.52%) und bei 1’100 nicht-fortgeschrittene Adenome.

In der FIT-Gruppe hatten 8’983 Personen den Test tatsächlich durchgeführt (Partizipationsrate 33.8%). Bei 675 war der Test positiv (Blut im Stuhl). Davon liessen dann 587 Personen eine Koloskopie durchführen. Bei 220 Personen (2.4%) wurden fortgeschrittene Adenome gefunden, bei 32 Darmkrebs (0.36%) und bei 103 nicht-fortgeschrittene Adenome.

Im Vergleich zur Koloskopie fand man also mit dem FIT 68% der Tumore und 25% der fortgeschrittenen Adenome.

Bei der Studie wird der FIT alle zwei Jahre wiederholt. Die Idee dabei ist, dass ein verpasstes Adenom oder ein verpasster Darmkrebs später doch noch erkannt wird.

In einer holländischen Studie, welche 2012 veröffentlicht worden war, fand der FIT – im direkten Vergleich zur Koloskopie – 35% der fortgeschrittenen Adenome. Dies mit einer Spezifität von 93%.

Adenome sind Vorstufen von Darmkrebs. Nicht aus jedem Adenom ensteht Darmkrebs. Darmkrebs ensteht aber fast ausschliesslich aus Adenomen. Speziell riskant sind die fortgeschrittenen Adenome.

Bei der Koloskopie werden alle gefundenen Adenome entfernt. Ungefähr die Hälfte aller Erwachsenen haben Adenome. Im Alter von 50 Jahren haben 25-30% der Erwachsenen Adenome.

Ein Mass für die Leistungsfähigkeit eines Endoskopikers (Gastroenterologe) ist die „Adenoma Detection Rate“ (ADR). Diese gibt an, bei welchem Anteil der Patienten ein Gastroenterologe Adenome findet. Gute Endoskopiker haben eine ADR von gegen 50%.

Warum gehen die Leute nicht zur Vorsorge?

Wer selber schon einen geliebten Menschen wegen Darmkrebs verloren hat, wird sich sicherlich die Frage stellen: Warum gehen so wenig Leute zur Darmkrebs-Vorsorge?

In der Schweiz gehen gemäss Schätzungen von Experten nach wie vor ungefähr 80% der über 50-Jährigen nicht zur Darmspiegelung. In Deutschland ist es schon etwas besser, aber auch noch nicht berauschend. Spitzenreiter sind die USA, dort beteiligen sich über 60% der Leute an Darmkrebs-Screening-Programmen. Darmkrebs wird dort auch prominent in den Medien thematisiert, während das Thema von den Medien hierzulande äusserst stiefmütterlich behandelt wird.


Die Darmspiegelung hat hierzulande und auch in Deutschland einen schweren Stand. Dies völlig zu Unrecht. Geradezu exemplarisch ist dieser unsinnig kritische Beitrag des SWR aus dem Jahr 2014.


Das wirkt abschreckend und weckt Zweifel. Viele Vorbehalte rühren auch von anderen Vorsorge-Untersuchungen her. Dabei ist die Faktenlage beim Darmkrebs eine ganz andere, als zum Beispiel beim Brustkrebs oder beim Prostatakrebs. Darmkrebs entsteht aus Adenomen. Diese sind im Darm lange vor dem Auftreten von Darmkrebs sichtbar. Das ist eine einmalige Chance, die es so bei keiner anderen Krebsart gibt. Wenn man die Adenome entfernt, sinkt die Wahrscheinlichkeit, an Darmkrebs zu sterben, drastisch.

Mittlerweile sind weitere Studien publiziert worden, welche den Nutzen der Darmspiegelung klar belegen. Medizinisch ist der Fall klar. Neuere Studien zeigen auch, dass die weit verbreiteten Befürchtungen vor Komplikationen unbegründet sind. Die Komplikationsraten liegen im Promille-Bereich. Probleme gibt es am ehesten bei der Abtragung von Adenomen. Je grösser das Adenom, desto grösser das Risiko der Perforation. Die grossen Adenome haben gleichzeitig aber auch das grösste Risiko, Darmkrebs zu entwickeln. Die grosse Masse der kleinen bis mittleren Adenome sind völlig unproblematisch bei der Abtragung.

Über die Vorbereitung zur Darmspiegelung kursieren auch diverse Horror-Geschichten. Dabei sind die heute verfügbaren, modernen Methoden viel angenehmer als früher. Leider gibt es immer noch Spitäler, bei denen z.B. 3 Liter unangenehm schmeckende Flüssigkeit getrunken werden muss. Das ist unnötig und schreckt die Leute ab.

Wer es schon selber erlebt hat, weiss, dass die Untersuchung ein Klacks ist. Man bekommt überhaupt nichts mit, weil man dabei schläft. Man hat keine Schmerzen. Man wacht anschliessend auf und fragt sich: War das schon alles? Auch die Abtragung von Polypen spürt man nicht. Der Darm selber ist unempfindlich für Schmerzen.

Wer sich nicht zur Darmspiegelung durchringen kann, sollte wenigstens ein Mal pro Jahr den neuen, immunologischen Stuhltest (FIT) machen. Der ist wirklich einfach und billig. Allerdings muss bei einem positiven Test-Ergebnis dann eben doch eine Darmspiegelung gemacht werden. In der Regel sind die Leute, die einen positiven FIT erhalten haben, jedoch genug motiviert, um die Darmspiegelung zu machen. Das Problem ist, dass der FIT zwar bis zu 80% der Tumore erkennt, aber bloss 35% der fortgeschrittenen Adenome. Wenn der FIT jedes Jahr wiederholt wird, erhöht das aber die Chance, einen verpassten Tumor oder ein verpasstes fortgeschrittenes Adenom später doch noch zu erwischen.

Meine Mama hatte Respekt vor der Darmspiegelung. Eine Person aus ihrem Bekanntenkreis hatte sie sogar explizit davor gewarnt. Die Warnung begründete in der Geschichte einer Perforation, die vor Jahrzehnten bei einer Darmspiegelung passiert war. Das war wohl nicht der einzige Grund, warum meine Mama nicht zur Vorsorge gegangen ist. Dazu beigetragen hat es aber sicherlich. Im Nachhinein betrachtet ist der Fall natürlich klar. Leider ist das den Meisten nach wie vor nicht klar. Viele Leute wollen sich nach wie vor nicht mit dem Thema befassen. Selbst diejenigen nicht, welche nun die Fakten und die Geschichte meiner Mama kennen. Manche haben deswegen sogar den Kontakt zu uns abgebrochen. Das ist allerdings ihr Problem, nicht unseres.

Ein Jahr danach

Heute vor einem Jahr erhielten wir die Krebs-Diagnose unserer Mama. Ich war mit ihr beim Arzt dabei. Am 5. März 2018 wurde dann bestätigt, dass es sich um Darmkrebs handelt. Was für ein Schock! Metastasen in der Leber und der Lunge. Sie hatte keine Chance mehr. Sie starb 41 Tage nach der Diagnose bei uns zu Hause mit Exit. Leider hatte sie da schon starke Schmerzen. Aber den unbändigen Willen, diesen selber ein Ende zu setzen.

Ich bin ein unglaublicher Idiot.

Darmkrebs ist mit Vorsorge gut vermeidbar. Die beste Methode ist die Darmspiegelung, weil damit nicht bloss bereits vorhandener Krebs frühzeitig gefunden, sondern auch Vorstufen (Polypen) beseitigt werden können, bevor daraus Krebs entstehen kann. Mit 50 haben 25-30% der Leute adenomatöse Polypen. Bei der Darmspiegelung kann es selten Komplikationen geben, die sind aber in der Regel sehr gut beherrschbar und kein Vergleich zum Risiko, an Darmkrebs zu erkranken.

Darmkrebs kriegen auch schlanke Frauen, die nicht rauchen, wenig Fleisch essen, kaum Alkohol trinken und keine Verwandten mit Darmkrebs in der Familie haben. So wie bei meiner Mama.

75% aller Fälle von Darmkrebs treten spontan auf, das heisst zum ersten Mal in der Familie.

Leider bin ich erst 2 Monate nach dem Tod meiner Mama im Alter von 53 Jahren (anstatt wie empfohlen mit 50) endlich zur Darmspiegelung gegangen (3 Adenome wurden entfernt). Wenn ich mit 50 hingegangen wäre, hätte ich meiner Mama erzählen können, was für ein Klacks die Untersuchung ist.

Hätte, hätte, Fahrradkette. Macht es besser als wir. Ich wünsche allen, dass Ihr es nicht auf die harte Tour lernen müsst, wie mein Bruder und ich. Wir haben es nun begriffen.