Umhüllende Pensionskasse

Eine umhüllende Pensionskasse versichert mehr als nur die gesetzlichen Minimal­leis­tun­gen nach BVG.

Eine umhüllende Kasse enthält für die Leistungen nach dem BVG quasi einen inneren Teil, einen „BVG-Kern“. Das Gesetz (BVG) regelt nur diesen Kern. Die Umhüllung (die sogenannte „weiter­ge­hen­de Vorsorge“) ist fakultativ und vom Gesetz nicht geregelt. Die Kassen können in ihrem Re­gle­ment dort auch Regeln aufstellen, die vom BVG abweichen.

Das sieht dann auch so aus, dass das Alterskapital der einzelnen Versicherten aus einem Teil ge­mäss BVG (dem BVG-Kapital, oder „obligatorischen Kapital“) und einem zusätzlichen Teil (dem „über­ob­li­ga­to­ri­schen Kapital“) besteht.

Einer umhüllenden Kasse ist es nach dem Gesetz erlaubt, für die Hinter­las­senen­leistungen (Wit­wen/Wit­wer­ren­te, Waisenrente) nur die minimalen Renten nach dem Gesetz zu zahlen, und dabei nur das BVG-Kapital zu berück­sichtigen.

Für die Berechnung des BVG-Kapitals werden die Beiträge, die vor dem 1.1.1985 (Inkrafttreten des BVG) einbezahlt wurden, nicht berücksichtigt. Ignoriert wird auch der Teil des Jahreslohnes, der höher ist als der maximale koordinierte Lohn (Fr. 59’160, Stand 2011, war früher deutlich niedriger). Bei ho­hen Löhnen wird also nur ein wesentlich kleinerer Teil des Lohnes für das BVG-Alterskapital über­haupt be­rück­sichtigt.

Das BVG-Kapital macht dann bei der heutigen Generation von Senioren oft nur einen eher ge­rin­gen Teil des gesamten Pensionskassenkapitals aus – ins­beson­dere wenn die Pen­sio­nie­rung we­ni­ge Jahre nach 1985 er­folgte.

Im folgenden Beispiel wurde der Versicherte 1991 pensioniert:

Es gibt auch noch andere Gründe für irreparable Lücken im BVG-Kapital: z.B. Erwerbs­unter­brüche. Oder wenn ein Arbeitnehmer aus der EU in die Schweiz kommt. Man kann natürlich freiwillig Ein­käu­fe in die Pensionskasse tätigen, aber diese gehen immer in das über­obliga­tori­sche Kapital. Seit der 1. BVG Revision (2005) gibt es auch die Möglichkeit, bei der Pen­sio­nie­rung anstelle der vollen Al­ters­ren­te bis zu einem Viertel des Alterskapitals in Kapitalform zu beziehen. Das schmälert wie­der­um das BVG-Kapital.

Bei der Berechnung der Renten wenden die umhüllenden Pensionskassen zu­aller­erst ihr Re­gle­ment an. Ergibt das Reglement eine Rente, die niedriger als die nach dem Gesetz berechnete ist, so muss die Kasse aber die vom Gesetz garantierte Minimal­rente bezahlen (sogenanntes „An­rech­nungs-“ oder „Ver­gleichs­prinzip“). Bei der gesetzlichen Minimalrente muss die Kasse aber eben nur das BVG-Kapital berücksichtigen.

Laut einem Artikel der Zeitung „der Sonntag“, haben sechs von sieben Ver­sicher­ten in der Schweiz eine Pensionskasse, die mehr als nur die gesetzlichen Leis­tungen versichert. Somit ist der grösste Teil der Altersvorsorge in der Schweiz gesetzlich eigentlich nicht geregelt.