Screen for Life: Meryl Streep

Ein Aufruf von Meryl Streep in einem Video (in Englisch) der Centers for Disease Control and Prevention, vom 22.10.2015:

«There is so much in live we can’t control. But here is something we can: Colorectal cancer. It’s almost entirely preventable. (…) It could really save your live.»


Übersetzung: «Es gibt viele Dinge, die wir in unserem Leben nicht kontrollieren können. Es gibt aber etwas, dass wir kontrollieren können: Darmkrebs. Er ist fast gänzlich verhinderbar. (…) Das kann wirklich Ihr Leben retten.»

«gesundheitheute»: Beitrag über Darmkrebsvorsorge

Die Sendung «gesundheitheute» brachte am 19.3.2016 einen sehenswerten Beitrag zum Thema Darmkrebsvorsorge. Als Gäste dabei waren Prof. Urs Marbet und die Schauspielerin Heidi Maria Glössner («Die Schweizermacher», «Die Herbstzeitlosen»), die gerade ihren 75. Geburtstag feiert. Glössner erzählte in der Sendung, wie es dazu kam, dass sie eine Darmspiegelung machen liess. Ein glücklicher Zufall.


Am falschen Ort gespart

Anna Wanner schrieb am 16.7.2016 in der Aargauer Zeitung einen Kommentar mit dem Titel „Der Preis des Schlaraffenlandes“.

Unter der Überschrift „Mehr Selbstverantwortung der Patienten gefordert“ steht unter anderem zu lesen, jeder solle sich Gedanken machen, ob «die Darmspiegelung tatsächlich nötig» sei.

Die Darmspiegelung zur Vorsorge und Prävention gegen Darmkrebs ist in der Tat notwendig. Studien haben deren Wirksamkeit und Sicherheit klar gezeigt. Die Krebsliga empfiehlt die Darmspiegelung zur Vorsorge ab dem Alter von 50 Jahren. Aus gutem Grund ist die Darmspiegelung als Vorsorgeuntersuchung ab Alter 50 seit 2013 schweizweit für die Krankenkassen Pflichtleistung.

Was die von Wanner angesprochene Selbstverantwortung anbelangt, sollte man sich viel eher fragen, ob man es sich leisten kann, auf die Darmspiegelung zu verzichten. Dies gilt ganz besonders für uns Männer. Darmkrebs ist leider eine sehr häufige Erkrankung. Einer von 16 erkrankt im Leben daran (Frauen: eine von 21). Abgesehen vom Leid, welches durch vermeidbare Darmkrebserkrankungen verursacht wird, sollte man auch bedenken, dass die Behandlung von Darmkrebs ohne weiteres Kosten im Bereich von 100’000 Franken pro Fall verursachen kann. Das ist dann weit teurer, als alle 10 Jahre eine vorsorgliche Koloskopie für vielleicht 1’500 Franken. Eine Investition von 150 Franken pro Jahr, welche das Risiko, an Darmkrebs zu sterben, um satte 90% senkt (Quelle: Studie von Prof. Marbet), ist wirklich nicht übertrieben.

Es bleibt bloss zu hoffen, dass der Vater von Frau Wanner von der Möglichkeit der Darmspiegelung Gebrauch gemacht und nicht am falschen Ort gespart hat. Nicht Rauchen hilft. Risikofaktor Nummer eins beim Darmkrebs bleibt aber das Alter. Älter werden wir alle.

Darmspiegelung: erfolgreiche Krebsprävention bei minimaler Komplikationsrate

Die Darmspiegelung zur Prävention von Darmkrebs ist – entgegen weit verbreiteter Befürchtungen – eine sehr sichere Untersuchung.

Im Deutschen Bundesland Saarland wurde dazu eine Studie gemacht. Dabei wurden 5’252 Vorsorge-Koloskopien nachträglich ausgewertet. Diese waren im Zeitraum von 2010 bis 2013 durchgeführt worden.

Bei den 5’252 Untersuchungsteilnehmern waren insgesamt nur 20 (0.38 Prozent) medizinisch bestätigte Komplikationen aufgetreten. Dabei handelte es sich meist um Blutungen, nur in zwei Fällen um eine Perforation. Alle Zwischenfälle konnten erfolgreich behandelt werden.

Die Studie bestätigt ausserdem, was sich in früheren Untersuchungen bereits angedeutet hatte: Die seltenen Zwischenfälle traten bei Darmspiegelungen auf, bei denen fortgeschrittene Krebsvorstufen oder gar bösartige Tumoren entfernt wurden. Die Komplikationen sind also nicht Folge der Untersuchung, sondern der Gewebeentnahme.

Komplikationen entstehen höchstens dann, wenn Polypen entfernt werden müssen. Dabei sind Blutungen (18 von 5’252 Fällen in der Saarland-Studie) am häufigsten. Diese kann man mit einer weiteren Koloskopie beheben. Das ist zwar lästig, aber nicht tödlich. Das Risiko für Perforationen ist bei den schwerwiegendsten Befunden am grössten. Genau dann profitiert man aber am meisten von der Entfernung.

Die beiden Perforationen in der Saarland-Studie passierten bei der Entfernung einer fortgeschrittenen Vorstufe und bei der Entfernung von Krebs. Beide Patienten haben überlebt. Ohne die Darmspiegelung hätten aber genau diese Patienten den Darmkrebs mit grosser Wahrscheinlichkeit wohl nicht überlebt.

Werden keine oder nur kleine Polypen gefunden, ist das Risiko für Komplikationen extrem klein. Wer auf die Untersuchung verzichtet, setzt sich im Gegensatz dazu aber dem unverminderten Risiko aus, an Darmkrebs zu erkranken. Dieses Risiko ist im Vergleich dazu massiv grösser: 6.3% aller Männer und 4.7% aller Frauen erkranken in ihrem Leben an Darmkrebs. Im Durchschnitt sind die Patienten im Zeitpunkt der Darmkrebs-Diagnose 68 Jahre alt. Das Risiko steigt ab 50 stark an.

Bei der Studie von Prof. Marbet – welche in den Kantonen Uri und Glarus durchgeführt wurde – fand man bei 35% der Männer und 23% der Frauen Polypen (eingeladen waren Personen zwischen 50 und 80 Jahren). Das Risiko der Untersuchung ist für Personen ohne Polypen am kleinsten. Wer Polypen hat, profitiert umgekehrt sehr stark davon, wenn diese dank der Darmspiegelung vorsorglich entfernt werden können. Darmkrebs entsteht meist aus Polypen. Ohne Polypen kein Darmkrebs!