Absolute und relative Risiken

Dr. Harvey Murff hat in einem Vortrag von Januar 2017 absolute und relative Risiken für Darmkrebs erläutert.

Eine sehr interessante Folie aus diesem Vortrag zeigt das durchschnittliche absolute Risiko für Männer und Frauen in den USA, aufgeschlüsselt nach Altersbereichen:


Einer von 300 Männern unter 50 Jahren erkrankt an Darmkrebs. Im Altersbereich von 50 bis 59 Jahren erkrankt einer von 149, im Bereich 60 bis 69 einer von 82. Von den Männern, die 70 oder älter sind, erkrankt einer von 27. Insgesamt erkrankt ein Mann von 21.

Diese Zahlen gelten für die USA.

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Für die Schweiz ist das Risiko markant höher. Hier erkrankt insgesamt ein Mann von 16. Die Vorsorge ist in der Schweiz im Vergleich zu den USA deutlich schlechter.

Anhand der Zahlen für die USA sieht man gut, wie das absolute Risiko mit dem Alter deutlich ansteigt. Das Alter ist der grösste Risiko-Faktor.

Das absolute Risiko für Frauen ist zwar leicht kleiner, aber ungefähr in der gleichen Grössenordnung, wie das für Männer.

Darmkrebs Risiko und Vorsorge: Video von Dr. Fola May

Dr. Fola May1 spricht in diesem Video über die Risiken und die Vorsorge von Darmkrebs.

Das Risiko, im Leben an Darmkrebs zu erkranken, beträgt in der Schweiz 1/16 für Männer und 1/21 für Frauen.

In den USA ist die Beteiligung an der Vorsorge deutlich höher, als in der Schweiz. Dort beträgt das Risiko 1/22 für Männer und 1/24 für Frauen.

Darmkrebs ist bei den Krebs-Todesfällen sowohl in den USA als auch in der Schweiz bei Männern und Frauen zusammen die Nummer 2 (nach Lungenkrebs). Dabei ist Darmkrebs mit Vorsorge gut vermeidbar.

Darmkrebs befällt häufig die Leber

Darmkrebs beginnt in einem Darmpolyp und springt häufig auf die Leber über, bevor man überhaupt die Chance hat, irgend etwas zu bemerken.

In der Schweiz sind einer von 16 Männern und eine von 21 Frauen in ihrem Leben davon betroffen. 1’700 sterben jedes Jahr deswegen. Das sind mehr als 7 Mal mehr, als durch Verkehrsunfälle sterben.

Es ist vermeidbar: Lassen Sie Ihre Darmpolypen entfernen! Im Alter von 50 Jahren haben 25-30% aller Leute einen oder mehrere Darmpolypen.

Die Sache mit der Familien­geschichte

75% der Fälle von Darmkrebs sind spontan, d.h. keiner in der Familie hatte vorher Darmkrebs. Bei 25% der Fälle ist Darmkrebs in der Familie schon vorgekommen. 10% aller Erwachsenen hatten schon Darmkrebs in der Familie. Das ist erstaunlich viel.

Das absolute Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, steigt mit dem Alter an. Ab 50 Jahren ist der Anstieg markant. Deshalb sollten Leute mit durchschnittlichem Risiko auch spätestens ab 50 die Vorsorge machen.

Eine im Jahr 1994 publizierte Studie („A Prospective Study of Family History and the Risk of Colorectal Cancer“, Fuchs et al.) hat gezeigt, dass das relative Risiko, das mit einem erstgradig Verwandten mit Darmkrebs einhergeht, speziell bei jungen Leuten hoch ist und dann mit steigendem Alter des betreffenden abnimmt. Im Alter von 70 Jahren ist dieses relative Risiko nahezu 1.0, d.h. ob jemand mit 70 schon Darmkrebs in der Familie hatte oder nicht, spielt praktisch keine Rolle mehr.

Mit 70 ist aber das absolute Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, schon sehr hoch. Wer in diesem Alter die Vorsorge immer noch nicht gemacht hat, setzt sich diesem voll aus.

Das relative Risiko ist auch erhöht, wenn ein erstgradig Verwandter ein fortgeschrittenes Adenom hatte. Adenome gelten unter anderem dann als fortgeschritten, wenn sie 1 cm oder grösser sind.

Im Jahr 2013 habe ich erfahren, dass bei meinem Vater im selben Jahr Polypen gefunden wurden. Damals war ich 48 Jahre alt.

2018 starb meine Mutter im Alter von 81 Jahren wegen Darmkrebs. 41 Tage nach der Diagnose. Sie war nie zur Vorsorge gegangen. Leider hatten wir sie nicht dazu ermuntert. Uns war nicht bewusst, wie hoch das Darmkrebs-Risiko ist. Uns war auch nicht klar, dass Komplikationen bei Darmspiegelungen heutzutage sehr selten sind (Perforation: 4/10’000, Blutung: 8/10’000).

Erst nach dem Tod meiner Mutter wurde ich darüber informiert, dass einer der Polypen, der 2013 bei meinem Vater diagnostiziert wurde, ein fortgeschrittenes Adenom war.

Mein Vater war bei seiner Diagnose älter als 60. Gemäss den US-Richtlinien der MSTF hätte ich im Jahr 2013 mit 48 Jahren zum ersten Mal die Darmkrebs-Vorsorge machen sollen. Als Verfahren wären damals der FIT Test oder die Darmspiegelung zulässig gewesen.
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Ich hatte dies nicht gewusst! Wenn bei einer Koloskopie fortgeschrittene Adenome gefunden werden, sollten die Mitglieder der Familie unbedingt informiert werden, damit sie dies bei der eigenen Vorsorge berücksichtigen können.

Mein Bruder wusste es auch nicht. Er hätte damals mit 45 mit der Vorsorge beginnen sollen (FIT oder Koloskopie).

Im Jahr 2018 wussten mein Bruder und ich dann also, dass wir eine erstgradig Verwandte mit Darmkrebs hatten und einen weiteren erstgradig Verwandten mit fortgeschrittenem Adenom. Gemäss den US-Richtlinien folgt daraus, dass für uns nur noch die Koloskopie in Frage kommt. Wir müssen diese alle 5 Jahre machen.

Ich bin leider erst mit 53, zwei Monate nach dem Tod meiner Mutter, zur Koloskopie gegangen. Dabei wurden 3 Adenome gefunden und entfernt. Gemäss Bericht war eines 1 cm gross, also fortgeschritten. Kurz danach ist auch mein Bruder zur Darmspiegelung gegangen. Er hatte bloss zwei kleine Adenome. Unsere Adenome waren alle „Low-Grade“.

Wenn ich mich eingehend mit der Materie befasst hätte und ich schon 2013 umfassend informiert worden wäre, hätte ich nicht bloss selber die Vorsorge gemacht, sondern hätte wohl auch meiner Mutter die Vorsorge nahe gelegt. Sie hat nicht einmal den FIT Test gemacht.

Wissen kann Leben retten.

FIT – ein günstiger Test aus der Apotheke

In der Schweiz kann man in vielen Apotheken zur Vorsorge gegen Darmkrebs einen FIT-Test (Fecal Immunochemical Test) kaufen. Dieser Test wird im Rahmen der Kampagne nein-zu-darmkrebs.ch angeboten und kostet 30 Franken (Stand April 2019).

Man kann den Test nur für sich selber kaufen, da die Apothekerin oder der Apotheker bei der Abgabe noch ein paar Fragen stellen muss. Der Test ist für Leute ab 50 Jahren mit durchschnittlichem Risiko geeignet.

Sind in der Familie bereits Darmkrebs-Erkrankungen oder fortgeschrittene Vorstufen vorgekommen, sollte man direkt zur Darmspiegelung gehen (mit 40 oder 10 Jahre vor dem ersten Auftreten in der Familie).

Zusammen mit dem Test wird auch eine Anleitung und ein stabiles, frankiertes Couvert für den Versand abgegeben.

Der Test kann sehr einfach zu Hause gemacht werden. Die verschlossene Probe wird an ein Labor zur Analyse eingeschickt. Für die Analyse fallen keine zusätzlichen Kosten an. Das Ergebnis des Tests kann man nach ca. 1 Woche wieder in der Apotheke abholen.

FIT-Tests erkennen bei einmaliger Anwendung bis zu 35% der fortgeschrittenen Adenome (Vorstufen) und 80% der Tumore. Die Erkennung wird durch regelmässige Wiederholung deutlich verbessert (mindestens alle zwei Jahre, besser jährlich). Nur bei positivem Ergebnis (=Blut im Stuhl) muss zur weiteren Abklärung eine Darmspiegelung gemacht werden.

Darmkrebs macht sehr lange keinerlei Symptome, ist aber gut vermeidbar. Deshalb ist die Vorsorge sehr wichtig.