Darmkrebs ist vermeidbar

Eine sehr häufige Erkrankung

In der Schweiz sterben leider jedes Jahr rund 1’700 Menschen an Darmkrebs (Dickdarm und Enddarm). Das sind 7.4 Mal mehr, als bei Verkehrsunfällen sterben. Darmkrebs verursacht nach Lungenkrebs die zweithöchste Anzahl an Krebs-Todesfällen von Männern und Frauen. (Quelle: Krebsliga)

Vergleich-Krebstote-CH

Dabei ist Darmkrebs eine der am besten verhinderbaren Arten von Krebs.

Dickdarmkrebs ist eine der drei häufigsten Krebserkrankungen. Bei Frauen ist es die zweithäufigste, bei Männern die dritthäufigste Krebsart:

Frauen:
1. Brust
2. Dickdarm
3. Lunge
Männer:
1. Prostata
2. Lunge
3. Dickdarm

Das Risiko, im Leben an Darmkrebs zu erkranken, beträgt für Frauen 4.7% (1 von 21) und für Männer 6.3% (1 von 16) (Quelle: Krebsbericht 2015).

Darmkrebs macht oft lange keinerlei Symptome und wird deshalb häufig erst entdeckt, wenn es schon zu spät ist.

Entfernung der Polypen senkt das Risiko

Darmkrebs entsteht meist aus Adenomen (Polypen). 25-30% der Leute im Alter von 50 Jahren haben adenomatöse Polypen. Mit einer vorsorglichen Darmspiegelung kann man nicht nur den Krebs, sondern auch die Polypen entdecken. Diese können sich über einen Zeitraum von 5 bis 10 Jahren zu Krebs entwickeln. Der Arzt kann die entdeckten Polypen in der Regel noch in der selben Untersuchung schmerzlos entfernen. Damit sinkt das persönliche Risiko, später an Darmkrebs zu erkranken, ganz massiv. Rund 20% der Menschen in der Schweiz machen Darmspiegelungen zur Vorsorge.

Mit einer Studie in den Kantonen Uri und Glarus haben Prof. Urs Marbet und seine Kollegen gezeigt, dass mit einer vorsorglichen Darmspiegelung das Risiko, an Darmkrebs zu sterben, um 90% sinkt. Das Erkrankungsrisiko sinkt um 70%.

Eine sehr sichere Untersuchung

Risiken-CRCEine im Deutschen Bundesland Saarland durchgeführte Studie belegt, dass die Darmspiegelung sehr sicher ist. Dabei wurden 5’252 im Zeitraum von 2010 bis 2013 vorsorglich durchgeführte Koloskopien hinsichtlich aufgetretener Komplikationen analysiert.

Insgesamt traten nur 20 (0,38 Prozent) medizinisch bestätigte Komplikationen auf. Dabei handelte es sich meist um Blutungen, nur in zwei Fällen um eine Perforation. Alle Zwischenfälle konnten erfolgreich behandelt werden. Die beiden Perforationen traten nur bei Darmspiegelungen auf, bei denen fortgeschrittene Krebsvorstufen oder gar bösartige Tumoren entfernt wurden.

Darmkrebs wird im Alter häufiger

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Erkrankung auftritt, nimmt ab 50 stark zu. Im Schnitt sind die Betroffenen bei der Erkrankung 68 Jahre alt. Risikofaktor Nummer eins für Darmkrebs ist das Alter.

Nicht rauchen, beim Alkohol nicht übertreiben, auf das Gewicht und eine gute Ernährung (Ballaststoffe) achten sowie Bewegung sind hilfreich. Dem Risiko, das mit dem Alter verbunden ist, entgeht man mit einem gesunden Lebensstil jedoch nicht.

Die Darmschleimhaut erneuert sich ständig und in rascher Folge. Dabei passieren Fehler. Die körpereigenen Schutzmechanismen gegen diese Fehler lassen ab 50 stark nach.

Darmkrebs tritt in 75% der Fälle spontan auf, d.h. zum ersten Mal in der Familie. Wenn Eltern oder Geschwister bereits fortgeschrittene Adenome oder Darmkrebs hatten, ist das relative Risiko erhöht. Die Erhöhung ist für Junge am stärksten und nimmt mit höherem Alter ab. 10% aller Erwachsenen hatten schon Darmkrebs in der Familie.

Empfehlungen zur Vorsorge

Die Krebsliga empfiehlt spätestens ab 50 die Vorsorge gegen Darmkrebs. Entweder den Stuhltest (FIT) oder die Darmspiegelung.

Die Darmspiegelung ist dabei im Vorteil, weil der FIT Polypen schlechter detektiert.

FIT-Tests erkennen bei einmaliger Anwendung bis zu 35% der fortgeschrittenen Adenome (Vorstufen) und 80% der Tumore. Die Erkennung wird durch regelmässige Wiederholung deutlich verbessert (mindestens alle zwei Jahre, besser jährlich). Nur bei positivem Ergebnis (=Blut im Stuhl) muss zur weiteren Abklärung eine Darmspiegelung gemacht werden.

Die Darmspiegelung muss dagegen im Normalfall bloss alle 10 Jahre wiederholt werden. Falls Polypen entfernt wurden, ist das Intervall – je nach Anzahl, Grösse und Schweregrad der Polypen – kürzer (3, resp. 5 Jahre).

Bei familiärer Vorbelastung (Eltern oder Geschwister mit fortgeschrittenen Adenomen oder Darmkrebs) ist ein früherer Beginn der Vorsorge zu empfehlen (10 Jahre vor dem Erkrankungsalter des ersten erkrankten Verwandten, spätestens aber mit 40 Jahren). In diesem Fall sollte nur die Darmspiegelung verwendet werden.

Gemäss den Richtlinien des American College of Gastroenterology ist eine erstmalige Darmspiegelung bis zum Alter von 86 Jahren sinnvoll.

Gut verträglich und schmerzfrei

Während der Darmspiegelung schläft man und man verspürt keine Schmerzen. Zur Vorbereitung muss man eine Speziallösung zum Abführen einnehmen. Früher musste man dazu mehrere Liter übel schmeckender Flüssigkeit trinken. Mit moderneren Methoden muss man dazu bloss noch z.B. 2 x 3 Deziliter (Picoprep) oder 2 x 1 Liter (Moviprep) trinken. Das Abführen ist weit weniger unangenehm, als bei einem üblichen Durchfall und kann am Vorabend des Untersuchungstages gestartet werden. Nach der Untersuchung ist man gleich wieder auf den Beinen. In der Regel darf man anschliessend bloss während einigen Stunden kein Auto lenken.

Pflichtleistung Krankenkasse

Die Krankenkassen sind in der ganzen Schweiz seit 2013 verpflichtet, ab 50 alle 10 Jahre die Kosten für eine vorsorgliche Darmspiegelung zu übernehmen (abzüglich Franchise und Selbstbehalt). Je nach Wohnkanton gibt es auch Vorsorge-Programme, im Rahmen derer die gesamten Kosten übernommen werden (Kanton Uri).

Die persönliche Chance

In Deutschland wird ab 55 die Darmspiegelung zur Vorsorge gegen Darmkrebs bezahlt (für Männer neu seit 19.4.2019: ab 50), ab 50 der Stuhltest. Dazu ein kurzes Video der Felix Burda Stiftung:


Links

(abuehl.ch/darmkrebs-ist-vermeidbar. Autor: Adrian Bühlmann. 7.5.2019)