Wie Ronald Reagan 1985 dem Darm­krebs entkam

US-Präsident Ronald Reagan wurde 1981 angeschossen. In der Folge liess er sich routinemässig medizinisch kontrollieren. So wurden auch seine Laborwerte monatlich bestimmt.

Im Dezember 1984 wurde ein neuer Arzt, Dr. John E. Hutton, eingestellt. Diesem fiel auf, dass der Hämatokrit-Wert von Reagan über Monate langsam gesunken war. Er benachrichtigte den leitenden Arzt, doch dieser reagierte abweisend. Er soll sich wie folgt geäussert haben: „Sehen sie ihn an, er rennt herum, reitet seine Pferde. Er ist in guter Verfassung. Ich will nichts mehr darüber hören.“ („Look at him, he’s running around, riding his horses. He’s in fine shape. I don’t want to hear any more about it.“)

Nachdem der leitende Arzt im Januar 1985 eine weitere Amtszeit abgelehnt hatte, schlug die Stunde von Dr. Hutton („the experience of a lifetime“): Im März 1985 wurde bei Reagan, nachdem ein Test für okkultes Blut im Stuhl positiv ausgefallen war, eine flexible Sigmoidoskopie durchgeführt. Dabei wurde ein kleiner, gutartiger Polyp gefunden. Obwohl zur selben Zeit bei seinem Bruder Neil Darmkrebs diagnostiziert worden war, verzichtete Reagan vorerst auf weitergehende Untersuchungen. So wurden grosse Teile des Dickdarms vorerst nicht untersucht (aufsteigendes und transversales Colon).

Glücklicherweise fand Dr. Hutton im Weissen Haus eine Verbündete: Frau Reagan war aufgefallen, dass er etwas in Reagan’s Diagrammen anstarrte. Hutton erklärte dann Frau Reagan das Konzept von okkultem Blut und teilte ihr seine Bedenken über den fallenden Hämatokrit-Wert mit.

Zu der Zeit war die Koloskopie noch eine ziemlich neue Methode und noch nicht Standard bei positivem Hämokult-Test. Trotz seiner Position als leitender Arzt, benötigte Dr. Hutton 1½ Jahre, um Nancy Reagan, und in der Folge auch den Präsidenten, davon zu überzeugen, eine Koloskopie durchzuführen.

Am 12. Juli 1985 wurde bei Reagan schliesslich eine Koloskopie durchgeführt. Dabei wurde ein Tumor im Zökum gefunden! Bereits am Tag darauf wurde Reagan operiert und der Tumor erfolgreich entfernt.

Man kann also sagen, dass Reagan den Darmkrebs überlebt hat, weil er angeschossen wurde und sein leitender Arzt gekündigt hatte.

Darmkrebs ist heute bei Frauen und Männern in der Schweiz und den USA leider immer noch Krebs-Killer Nummer zwei. Dabei wäre er gut vermeidbar.

Referenz: President Reagan’s Life Saving Colectomy and Subsequent Historical Implications (Military Medicine, Volume 179, Issue 7, 1 July 2014, Pages 704–707, https://doi.org/10.7205/MILMED-D-14-00034).

Screen for Life: Meryl Streep

Ein Aufruf von Meryl Streep in einem Video (in Englisch) der Centers for Disease Control and Prevention, vom 22.10.2015:

«There is so much in live we can’t control. But here is something we can: Colorectal cancer. It’s almost entirely preventable. (…) It could really save your live.»


Übersetzung: «Es gibt viele Dinge, die wir in unserem Leben nicht kontrollieren können. Es gibt aber etwas, dass wir kontrollieren können: Darmkrebs. Er ist fast gänzlich verhinderbar. (…) Das kann wirklich Ihr Leben retten.»

«gesundheitheute»: Beitrag über Darmkrebsvorsorge

Die Sendung «gesundheitheute» brachte am 19.3.2016 einen sehenswerten Beitrag zum Thema Darmkrebsvorsorge. Als Gäste dabei waren Prof. Urs Marbet und die Schauspielerin Heidi Maria Glössner («Die Schweizermacher», «Die Herbstzeitlosen»), die gerade ihren 75. Geburtstag feiert. Glössner erzählte in der Sendung, wie es dazu kam, dass sie eine Darmspiegelung machen liess. Ein glücklicher Zufall.


Am falschen Ort gespart

Anna Wanner schrieb am 16.7.2016 in der Aargauer Zeitung einen Kommentar mit dem Titel „Der Preis des Schlaraffenlandes“.

Unter der Überschrift „Mehr Selbstverantwortung der Patienten gefordert“ steht unter anderem zu lesen, jeder solle sich Gedanken machen, ob «die Darmspiegelung tatsächlich nötig» sei.

Die Darmspiegelung zur Vorsorge und Prävention gegen Darmkrebs ist in der Tat notwendig. Studien haben deren Wirksamkeit und Sicherheit klar gezeigt. Die Krebsliga empfiehlt die Darmspiegelung zur Vorsorge ab dem Alter von 50 Jahren. Aus gutem Grund ist die Darmspiegelung als Vorsorgeuntersuchung ab Alter 50 seit 2013 schweizweit für die Krankenkassen Pflichtleistung.

Was die von Wanner angesprochene Selbstverantwortung anbelangt, sollte man sich viel eher fragen, ob man es sich leisten kann, auf die Darmspiegelung zu verzichten. Dies gilt ganz besonders für uns Männer. Darmkrebs ist leider eine sehr häufige Erkrankung. Einer von 16 erkrankt im Leben daran (Frauen: eine von 21). Abgesehen vom Leid, welches durch vermeidbare Darmkrebserkrankungen verursacht wird, sollte man auch bedenken, dass die Behandlung von Darmkrebs ohne weiteres Kosten im Bereich von 100’000 Franken pro Fall verursachen kann. Das ist dann weit teurer, als alle 10 Jahre eine vorsorgliche Koloskopie für vielleicht 1’500 Franken. Eine Investition von 150 Franken pro Jahr, welche das Risiko, an Darmkrebs zu sterben, um satte 90% senkt (Quelle: Studie von Prof. Marbet), ist wirklich nicht übertrieben.

Es bleibt bloss zu hoffen, dass der Vater von Frau Wanner von der Möglichkeit der Darmspiegelung Gebrauch gemacht und nicht am falschen Ort gespart hat. Nicht Rauchen hilft. Risikofaktor Nummer eins beim Darmkrebs bleibt aber das Alter. Älter werden wir alle.