Übersicht

Di­ver­se Pen­si­ons­kas­sen in der Schweiz set­zen die ge­schie­de­nen Wit­wen auf das ge­setz­li­che Mi­ni­mum (nach BVG), wo­raus un­ter an­de­rem folgt, dass die Pen­si­ons­kas­sen-Bei­tr­äge, die vor dem 1.1.1985 (In­kraft­set­zung BVG) ein­be­zahlt wur­den, bei der Be­rech­nung der Wit­wen­ren­te igno­riert wer­den – es wird nur das obli­ga­to­rische Ka­pi­tal nach BVG be­rück­sich­tigt, zu wel­chem auch nur ein be­grenz­ter Teil des Loh­nes bei­trägt. Lücken im ob­li­ga­to­ri­schen Ka­pi­tal sind zu­dem ir­re­pa­ra­bel, da frei­will­ige Ein­käufe dem über­ob­li­ga­to­ri­schen Ka­pi­tal zu­ge­wie­sen wer­den. Die­ses darf von den Pen­si­ons­kas­sen bei der Be­rech­nung der Hin­ter­las­se­nen­ren­te an den Ex-Gat­ten ig­no­riert wer­den. Das er­gibt dann in vie­len Fäl­len nur noch ei­ne ü­ber­ra­schend klei­ne Ren­te von ein paar hun­dert Fran­ken, wel­che meist die Hö­he der Ren­te ge­mäss Schei­dungs­ur­teil nicht er­reicht und mit der man nicht le­ben kann. Ins­be­son­de­re bei lang­jäh­ri­gen Ehen mit klas­si­scher Rol­len­tei­lung, die erst nach der Pen­si­onie­rung ge­schie­den wur­den, wird da­mit der Frau beim Tod des Ex-Man­nes unter Um­stän­den der grös­ste Teil ihrer Al­ters­vor­sor­ge der zwei­ten Säu­le vor­ent­hal­ten. Der Staat – also der Steu­er­zah­ler – muss dann mit Er­gän­zungs­leis­tun­gen ein­sprin­gen, wo­bei das der Frau aber den er­lit­te­nen Scha­den nur zum Teil er­setzt. Der Ex-Mann ge­niesst beim Vor­ver­ster­ben der Ex-Frau sei­ne vol­le, un­ge­kürz­te Al­ters­ren­te.

Die ge­set­zli­che Mi­ni­mal-Wit­wen­ren­te der ge­schie­de­nen Frau ist fer­ner auf den im Schei­dungs­ur­teil fest­ge­setz­ten Ren­ten­be­trag (resp. Un­ter­hal­tsbe­trag) be­schränkt, und wird nur aus­ge­rich­tet, falls die ge­schie­de­ne Ehe min­des­tens zehn Jah­re ge­dau­ert hat (Art. 20 BVV 2). Das Bun­des­ge­richt hat fest­ge­stel­lt, dass der Ge­setz­ge­ber mit der Kür­zungs­re­ge­lung in Ar­ti­kel 20 BVV 2 nur durch den Tod des Ex-Man­nes aus­ge­lös­te Leis­tun­gen auf­rech­nen wol­lte, und es hat des­halb wie­der­holt ver­fügt, dass die ei­ge­ne AHV-Al­ters­ren­te der Frau beim ge­setz­li­chen Mi­ni­mum nicht ab­ge­zo­gen wer­den darf. Ei­ne all­fäl­li­ge AHV-Wit­wen­ren­te, oder durch den Tod des Ex-Man­nes aus­ge­lös­te Er­höh­un­gen der AHV- oder IV-Ren­te der Frau, dür­fen da­mit ab­ge­zo­gen wer­den.

Um­hül­len­de Pen­si­ons­kas­sen kön­nen in der so­ge­nan­nten „wei­ter­ge­hen­den Vor­sor­ge“ vom Ge­setz ab­wei­chen­de Re­geln fes­tlegen. Ein­ige Kas­sen be­rech­nen dann zwar die Wit­wen­ren­te zu­nächst ba­sie­rend auf dem ge­sam­ten Vor­sor­ge­ka­pi­tal, zie­hen dann aber doch die AHV-Al­ters­ren­te wie­der ab. Be­zah­len müs­sen sie dann ent­we­der die Ren­te ge­mäss Re­gle­ment, oder das ge­setz­li­che Mi­ni­mum – je nach­dem was im kon­kre­ten Fall hö­her ist (An­rech­nungs- oder Ver­gleichs­prin­zip). Nur beim ge­setz­li­chen Mi­ni­mum darf die AHV-Al­ters­ren­te der Frau nicht ab­ge­zo­gen wer­den. Beim ge­setz­li­chen Mi­ni­mum wird aber eben nur das ob­li­ga­to­ri­sche Ka­pi­tal nach BVG be­rück­sich­tigt. Die ge­schie­de­ne Frau ver­liert beim Tod des Ex-Man­nes in die­sem Fall un­ter Um­stän­den trotz­dem die ers­te Säu­le ihrer Al­ters­vor­sor­ge.

Am 29. Mai 2013 hat der Bun­des­rat die Bot­schaft zur Re­vi­sion des Vor­sor­ge­aus­gleichs mit ei­nem Ent­wurf für Ge­setzes­än­de­run­gen an das Par­la­ment ü­ber­wie­sen (Geschäft 13.049). Das Par­la­ment hat am 19. Juni 2015 die Än­de­rung ver­ab­schie­det und sie wur­de am 5. Juli 2016 in der amtlichen Sammlung pub­li­ziert (AS 2016 2313). Sie ist seit 1. Januar 2017 in Kraft.

Neu werden bei ei­ner Schei­dung auch bei be­reits ein­ge­tre­te­nem Vor­sor­ge­fall in der Regel die Vor­sor­ge­an­sprüche geteilt. Ein Teil der be­reits ge­schie­de­nen Per­so­nen, de­ren Ex-Gat­te noch lebt, soll dank ei­ner Über­gangs­be­stim­mung von der Neu­re­ge­lung pro­fi­tie­ren kön­nen. Für be­reits von Mi­ni­mal­ren­ten Be­trof­fene, de­ren Ex-Gat­te ge­stor­ben ist, ist kei­ne Ver­bes­se­rung ih­rer Si­tua­tion vor­ge­se­hen.

Gesetzesänderung

Grundlagen

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